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Machiavelli im Home-Office Business-Coach Peter Modler erklärt, wie Sie Intrigen von Kollegen und Chefs kontern

Elke Hartmann-Wolff, 19.04.2020


Ärger im Home Office? Coach Modler erklärt, wie man reagieren kann (Symbolbild), Getty Images/iStockphoto

Der Chef inszeniert sich wie immer, die neue Kollegin ist zickig! Hier erklärt Führungskräfte-Coach Peter Modler, welche Strategie jetzt zieht.

Millionen von Angestellten und Führungskräften erledigen ihre Jobs zurzeit ausschließlich von zu Hause aus. Das mag sich zunächst wie ein kleines Abenteuer angefühlt haben.

Doch nach den ersten Wochen merkt so mancher, dass im Home-Office neben der lahmen Internet-Verbindung und den gelangweilten Kindern noch ganz andere Herausforderungen warten: Kollegen und Vorgesetzte, denen jedes Mittel recht ist, um sich einen persönlichen Vorteil zu verschaffen.

Der Freiburger Unternehmensberater und Coach Peter Modler, 65, weiß, wie man gekonnt pariert.

“Home-Office bringt ganz spezifische Probleme”

FOCUS: Herr Modler, Sie bieten seit Kurzem ein Coaching zum Thema „Machtspiele im Home-Office“ an. Wie ist die Nachfrage?

Peter Modler: Enorm! Die wirtschaftliche Lage ist ja dramatisch, ausgenommen Teile der Pharma- und der IT-Branche. Egal, ob CEO eines Dax-Unternehmens oder Angestellter, viele sind gerade um ihre berufliche Zukunft besorgt, einige sind gar verzweifelt. Und mitten in dieser Krise arbeiten jetzt viele ausschließlich vom heimischen Schreibtisch aus. Dass das Home-Office ganz spezifische Probleme mit sich bringt, verstehen aber manche erst etwas spät.

Wenn man in der Videokonferenz einfach “vergessen” wird

FOCUS: Was meinen Sie damit?

Modler: Ich will Ihnen ein Beispiel geben. Kommunikation läuft dieser Tage größtenteils über Videokonferenzen ab. Meist gibt es dabei einen Gastgeber, der dazu einlädt, den Host. Der hat dabei technische Vorrechte, die die anderen Teilnehmer nicht haben: Ton ausschalten, Bild wegdrücken. Vielleicht „vergisst“ der Host, Sie über ein wichtiges Meeting zu informieren, vielleicht sogar zwei-, dreimal.

Wenn all die anderen Informationswege, die wir sonst im Büroalltag haben, wegfallen, ist man in einer solchen Situation ziemlich schnell vom Geschehen abgeschnitten und landet im Off. Solche verdeckten horizontalen Aktionen finden gerade massiv statt.

FOCUS: Können Sie bitte „horizontal“ erklären?

Modler: Vereinfacht gesprochen, geht man in der Soziolinguistik von zwei verschiedenen Kommunikationssystemen aus, von einem horizontalen und einem vertikalen. Wer vertikal kommuniziert, will zu Beginn eines Meetings erst mal Rang und Revierfragen abklären, erst danach geht es um die Inhalte.

Horizontal orientierte Menschen sind zuerst an zwischenmenschlichen Botschaften und Sachfragen interessiert, übersehen aber häufig, was machtpolitisch abläuft.

FOCUS: Ziehen horizontale Kommunikatoren die Strippen anders als vertikale?

Die Geschichte mit den angeblichen Pannen

Modler: Horizontale arbeiten mit indirekter Aggression, etwa durch raffinierte Ausschlussmechanismen. Wenn Sie so jemanden dann darauf ansprechen, wieso Sie denn nicht zur Videokonferenz eingeladen wurden, bekommen Sie zu hören: „Ach herrje, das war ein Versehen, tut mir schrecklich leid!“ Tut’s natürlich nicht. Wenn derjenige bei einer Diskussion einen unliebsamen Kollegen – während dieser spricht – aus der Konferenz wirft, wird er das auf technische Probleme schieben.

Das ist bei vertikalen Kommunikatoren total anders, die haben überhaupt kein Problem, als Aggressor offen in Erscheinung zu treten. Im Gegenteil: Die sind sogar stolz darauf.

FOCUS: Wie geht ein vertikaler Aggressor vor?

Modler: Der fällt einem Kollegen, während dieser sein Projekt präsentiert, lautstark ins Wort und sagt beispielsweise: „Das interessiert hier doch niemanden.“ In diesem Moment nützt es nichts, wenn Sie dieser Person mit geschliffenen Argumenten entgegentreten. Hier geht es nicht um Sachfragen, sondern um Rangspiele.

Deshalb sollten Sie auf „Basic Talk“ umstellen, selbst wenn Sie es gewohnt sind, geistreich zu formulieren. Nehmen Sie das verbale Material, das Ihnen vor die Füße geworfen wird, und drehen Sie es ins Gegenteil um: Das interessiert hier jeden. Dann geht es vielleicht noch ein bisschen hin und her zwischen den zwei Parteien, aber nach dem Meeting bleibt nichts Belastendes zurück. Für horizontale Gegner mit ihren Ausschlusstricks brauchen Sie eine andere Strategie.

“Bauen Sie eine virtuelle Kaffeeküche auf”

FOCUS: Wozu raten Sie?

Modler: Eine direkte Konfrontation bringt Sie meist nicht weiter, da die andere Seite nur ausweichen wird. Die Energie steckt man besser in den Aufbau eines neuen Netzwerks mit anderen Kollegen, aus dem man fortan Querinformationen beziehen kann. Information ist der Schlüssel im Home-Office, mit ihr steht und fällt alles.

Bauen Sie eine virtuelle Kaffeeküche auf, verabreden Sie sich jeden Tag um dieselbe Uhrzeit mit einer kleinen Gruppe Kolleginnen und Kollegen, um einfach so zu plaudern oder zu tratschen. Ganz wie im realen Leben. Das ist nicht gemütlich, das ist Politik.

FOCUS: Wer spielt Machtspiele besser, der horizontale Kommunikationstyp oder der vertikale?

Modler: Das kann man generell nicht sagen, beide haben Stärken und Schwächen.

FOCUS: Ist das auch eine Frage des Geschlechts?

Modler: Ich beobachte, dass der horizontale Stil bei Frauen häufiger vorkommt als bei Männern, aber das sind nur Tendenzen, keine Ausschlüsse.

Typen, die sich “inszenieren wie in einem Bühnenstück”

FOCUS: Woran erkenne ich vorab, mit welchem Typus ich es zu tun habe?

Modler: Die vertikalen Vertreter inszenieren sich im Arbeitsleben wie in einem Bühnenstück. Betreten sie den Besprechungsraum, gehen sie langsam, sprechen lauter als nötig und nehmen Kontakt mit den politisch wichtigen Figuren auf. Diese Bühne gibt es auch auf dem Bildschirm. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Vertikaler bei einer Videokonferenz sein Gesicht in Großaufnahme zeigt, ist relativ hoch.

Die horizontalen Kommunikatoren hingegen sitzen häufig entfernt von der Kamera und sind mit Unterlagen beschäftigt. Da können Sie noch so kompetent sein, wenn Ihr Gesicht kleiner wirkt, haben Sie weniger Impact.

FOCUS: Überschätzen Sie nicht die Bedeutung der Inszenierung gegenüber der Qualifikation?

Modler: Ich erlebe gerade eher, wie unbedarft manche Menschen mit diesen Fragen umgehen, während andere sich taktisch geschickt verhalten. Vielleicht können Sie solche Fragen ignorieren, wenn Sie in einem Start-up arbeiten, aber wenn Sie in der aktuellen Situation Führungsanspruch oder Kompetenz zeigen wollen, sollten Sie die Eigendarstellung nicht unterbewerten.

Auch in Krisenzeiten geht es nicht nur darum, etwas auf hohem Niveau zu leisten, sondern auch darum, seine Leistung herauszustellen. Die Kanzler-Schröder-in-Gummistiefeln-Optik hat ihre Wirkung. So mancher fühlt sich nicht wohl dabei, sich bestmöglich zu vermarkten oder zu verkaufen.

“Was nicht verkauft wird, ist meine Persönlichkeit”

FOCUS: Reden Sie da nicht den Aufschneidern das Wort?

Modler: Ich würde das gern ein bisschen entmoralisieren. Corona-Krise hin oder her, wir leben immer noch in einem Kapitalismus. Um es mit Marx zu sagen: Hier wird Arbeitskraft verkauft. Und Verkauf bedeutet auch Werbung. Was aber eben nicht verkauft wird, ist meine Persönlichkeit.Ich werde ja immer nur für einen Ausschnitt meiner Komplexität bezahlt, die ich als Mensch mitbringe. Die Trennlinie zwischen mir als Mensch und meiner Rolle im Berufsgeschehen sollte man unbedingt ziehen. Dann ist das ein Schutz, und man nimmt auch nicht gleich alles so persönlich.

FOCUS: Ist es nicht verständlich, Wertschätzung und Anerkennung von Vorgesetzten zu erwarten?

Modler: Doch, selbstverständlich. Aber wenn ich mich als Mensch nur wertvoll fühle, weil mein Chef mich lobt, habe ich ein Problem.

Beruflicher Small Talk mit dem Chef

FOCUS: Zurück zum Selbstmarketing. Nehmen wir an, ich arbeite in einem Team. Wie schaffe ich es, dass mein Vorgesetzter meine individuelle Leistung wahrnimmt?

Modler: Horizontal kommunizierende Menschen finden es sehr häufig abstoßend, sich in den Vordergrund zu spielen, sie setzen lieber auf Leistung, die sich von selbst erklärt. Das verstehe ich, es ist aber auch in der aktuellen Situation zu wenig. Es reicht nicht, nur Arbeitsergebnisse als PDF zu verschicken.

Auch wenn sich jemand unbehaglich dabei fühlt, empfehle ich, regelmäßig eine kurze Mail mit beruflichem Small Talk an den Vorgesetzten zu schicken: Zwischenschritt eins ist erledigt, jetzt fange ich mit Schritt zwei an, der zu diesem Termin fertig sein wird. Wenn ich eine Woche still an einem Projekt arbeite, kann sich der Vorgesetzte schon fragen: Guckt der Kollege den halben Tag Netflix? Mit einem kleinen taktischen Lebenszeichen setze ich zumindest einen Aufmerksamkeitsanker.

“Wir können uns viel von Sporttrainern abschauen”

FOCUS: Wie stärkt man den Teamgeist im Home-Office?

Modler: Teamspirit ist in der Tat gerade schwierig aufrechtzuerhalten. Wir können uns dabei aktuell viel von Sporttrainern abschauen, deren Team kaum noch Training und auch keine Wettkämpfe mehr hat. Training kann man auch allein nach Vorgaben machen.

Aber darüber hinaus machen es viele Trainer so, dass man sich mindestens einmal pro Woche zum Video-Chat trifft und über alles Mögliche spricht, nur um ein Gefühl für die anderen zu bekommen. In einer Telefonkonferenz geht das übrigens deutlich schlechter als per Video. Ich muss die Mimik und Gestik meiner Kollegen sehen.

FOCUS: Wer wird unter den Verlierern der Corona-Krise sein?

Womöglich werden die gut ausgebildeten Frauen besonders darunter zu leiden haben. Die leisten meist auf hohem Niveau und halten häufig nichts davon, sich selbst zu vermarkten. Aber auch in Krisenzeiten überleben nicht zwangsläufig die stillen Hochleister, sondern eher jene, die ihre Leistung auch unter solchen Bedingungen ins Scheinwerferlicht rücken. Leider.

https://www.focus.de/finanzen/karriere/machiavelli-im-home-office-business-coach-peter-modler-erklaert-wie-sie-intrigen-von-kollegen-und-chefs-kontern_id_11892639.html

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Myths About Leadership That Need to Stop!

Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Sie sich nicht von Natur aus für eine “große Führungskraft” halten. Es ist völlig in Ordnung, wenn man das Gefühl hat, dass es da draußen andere gibt, die besser für Führungsrollen geeignet sind, und in der Tat sehen sich nur wenige von uns als natürlich geborene Führer, bis wir in diese Rolle gedrängt werden.

Die gute Nachricht ist, dass die meisten Führungspersönlichkeiten eher geschaffen als geboren werden, und das bedeutet, dass Sie die notwendigen Fähigkeiten sozusagen “on the job” entwickeln können. Dazu gehört auch, dass Sie Ihre Forschung betreiben, was Sie gerade tun… gut gemacht!

Was aber leider nicht hilft, ist die Tatsache, dass es eine Menge Fehlinformationen gibt, die uns die Sache erschweren. Es gibt viele vorherrschende Mythen über die Führung, die nichts anderes tun, als uns auf den falschen Kurs zu lenken. Hier sind einige der schlimmsten…

Anführer sein bedeutet Schreien

Eine Sache, die die Menschen denken, ist, dass ein Führer zu sein bedeutet, “das Sagen zu haben”, und dass dies wiederum bedeutet, ihre Autorität zu unterdrücken und die Leute anzuschreien, um sie, wenn nötig, zu tadeln.

Aber während dies in den 50er Jahren vielleicht noch zutraf, ist es heute ein völlig veralteter Ansatz. Zunächst einmal lässt das Schreien Sie einfach außer Kontrolle und emotional erscheinen – statt ruhig und gelassen.

Außerdem suggeriert das Schreien, dass man für jemand anderen verantwortlich ist, was nicht der Fall ist. Sie sind nur in einer Position, in der Sie die nächste Vorgehensweise wählen können. Dies ist auf eine Vereinbarung zwischen Ihnen und der von Ihnen beauftragten Person zurückzuführen, und diese kann sich ebenso wie Sie jederzeit dafür entscheiden, diese Vereinbarung zu beenden. Behandeln Sie Menschen mit Respekt, auch wenn sie nicht auf die Vernunft hören.

Führungskräfte sollten “einer der Jungs” sein.

Umgekehrt ist es jedoch nicht angebracht, zu versuchen, mit Ihrem Team “Kumpel” zu sein. Das klingt zwar verlockend, aber in Wirklichkeit wird es zu mehr Problemen führen. Es macht es schwieriger, wenn Sie harte Entscheidungen treffen müssen, es kann zu Vorwürfen führen, dass Ihre persönlichen Gefühle im Weg stehen, und es kann manchmal eine Grenze überschreiten und zu Respektlosigkeit führen. Seien Sie freundlich, aber versuchen Sie, zumindest im Büro Geschäft und Vergnügen zu trennen.

Eine Führungskraft zu sein bedeutet, mutig und tapfer zu sein.

Eine Führungspersönlichkeit zu sein, bedeutet nicht, dass man mutig und tapfer sein muss. Es bedeutet nicht, dass man breite Schultern und eine massive Brust oder unendliches Vertrauen haben muss.

Alle Führungspersönlichkeiten sind menschlich (außer Optimus Prime), und das bedeutet, dass sie Schwächen, Charakterfehler und Selbstzweifel haben, genau wie alle anderen auch. Als Führungskraft geht es nicht darum, wer man ist, sondern darum, was man tut!

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