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Corona-Crash am deutschen Immobilienmarkt? Wie schlimm es nun wirklich wird

Freitag, 17.04.2020,

Die Corona-Krise wird die Immobilien-Welt nicht völlig aus den Angeln heben. Doch wie schon nach der Finanzkrise 2008 dürfte es auch diesmal zu graduellen Veränderungen kommen. Aber unverändert wird gelten: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis – sei es der Kaufpreis oder die Miete. Immobilien-Experte Reiner Braun beschreibt die wahrscheinliche Entwicklung.

Die Ausgangslage

Nach 15 Jahren Binnenwanderung in die Schwarmstädte und nach zehn Jahren kumulierender Zuwanderung aus dem südeuropäischen, gefolgt vom osteuropäischen Ausland sowie dem Nahen Osten war der Nachfrageschock auf dem Wohnungsmarkt ohnehin am Abflauen. Durchschnittsverdiener und Familien sind ins Umland geflüchtet, Studierende und Berufsanfänger haben sich Ausweichstädte wie Pforzheim oder Magdeburg gesucht, junge Menschen sind länger bei den Eltern geblieben oder haben sich verstärkt in Wohngemeinschaften organisiert.

Nach einem historischen Minimum der Bautätigkeit wurde die Wohnungsproduktion zwischen 2008 und 2018 auf knapp 300.000 Einheiten verdoppelt, der jährliche Zusatzbedarf wird mittlerweile in etwa gedeckt, neue Knappheiten entstehen damit fast keine mehr. Die Genehmigungen liegen sogar über dem Zusatzbedarf, so dass der aktuelle Umfang der Fertigstellungen grundsätzlich noch eine ganze Weile aufrechterhalten werden könnte.

Was ändert sich durch Corona?

Zunächst müssen jetzt die spezifischen Eigenarten des Wohnungsmarktes beachtet werden. Während die Börse um 40 Prozent gefallen ist, ist der Immobilienmarkt kurzfristig schlicht eingefroren. Das liegt an den langen Transaktionszeiträumen: für Besichtigungen, Notartermine und Kreditanträge vergehen nicht selten Tage, oft sogar Wochen. Ist die Börse ein rauschender Gebirgsbach, dann sind Immobilientransaktionen ein zäher Lavastrom.

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Das ist aber auch gut so, denn Unsicherheit ist Gift. Je später der Markt reagiert, umso geringer ist die verbleibende Dosis und desto weniger übertreiben die Preise nach unten. Hinzu kommt, dass (Wohn-)Immobilien weiterhin ein stabiles Geschäftsmodell haben. Im Unterschied etwa zur Automobilindustrie, die angebotsseitig (Zulieferteile und Mitarbeiter fehlen) wie nachfrageseitig (Käufer fehlen wegen geschlossener Geschäfte und Einkommensunsicherheit) Probleme hat, gilt für Wohnungen: die Mietverträge laufen weiter, die Nachfrage der Mieter bleibt bestehen. Gleichwohl stellt sich die Frage nach der Höhe einer jetzt noch verbleibenden Kaufkraft und damit nach dem künftigen Miet- und Preispotential.

Kurzfristige Effekte

Unsere aktuellen Sonder-Auswertungen zeigen, dass die Zahl der Erstinserate im ersten Quartal 2020 ab Beginn der Kontaktbeschränkungen zum 16. März stark eingebrochen ist. Die neu inserierten Mieten und Preise liegen dabei signifikant höher als vor dem 16. März.

Veränderung der inserierten Mieten

empirica-Preisdatenbank (empirica-systeme.de)

Hinweis: Alle Baujahre, Vergleich 1. Quartal 2020 gegenüber 4. Quartal 2019;

Dieser Effekt reflektiert allerdings einen Strukturbruch der Inserate und keinen echten Preiseffekt: Mutmaßlich wurden die preiswerten Objekte zurückgezogen, weil dort der jetzt erforderliche (digitale) Vermarktungsaufwand nicht lohnt. Umgekehrt entstehen bei hochwertigeren Objekten größere Verluste, wenn die Verwertung stockt. Abgesehen davon werden „Notverkäufer“ – also Anbieter mit dringendem, Corona-bedingtem Liquiditätsbedarf – zunächst noch versuchen, die „alten“ Preise zu erzielen. Insofern liefern die inserierten Angebote derzeit wenig Information für die mittelfristige Entwicklung von Mieten und Preisen.

Mittelfristige Effekte: Eine Delle

Auf Jahressicht wird die Preisentwicklung vom BIP abhängen: Je stärker und je länger die Rezession, desto schärfer der Preiseffekt. Da eine Rezession unvermeidlich ist, gilt dies auch für die Kaufpreise. Dafür sprechen fünf Gründe:

· Steigende Zinsen
(Hoher Liquiditätsbedarf wegen Einkommensverlusten, mehr Staatsschulden, Kapitalbedarf für Umstellung der Produktion und Lieferketten sowie verstärkte Lagerhaltung);

· Geringerer demographischer Zusatzbedarf
(Grenzen dicht, die Schwarmwanderung war auch ein Wohlstandseffekt und die sowieso Entwicklung: Zyklusende, Suburbanisierung, Ausweichstädte);

· Notverkäufe wegen Liquiditätsentzug
(Ausmaß abhängig vom Umfang der Corona-Subventionen für Freiberufler/Selbständige und Familienbetriebe);

· Stockende Neubautätigkeit
(Verzögerung bei Material, wegen Grenzschließung/Krankheit bei Personal);

· Geringere Nachfrage durch Kapitalanleger
(Liquiditätsentzug, Angst, abgebrochene Transaktionen, Immobilienquote durch Aktienkurseinbruch übergewichtet).

Auch die Mieten könnten kurzfristig einbrechen, aber weniger stark als die Kaufpreise. Das Ausmaß des Mietrückgangs hängt ab vom Anstieg der Arbeitslosigkeit und von der Dauer des Liquiditätsentzugs bei Freiberuflern/Selbständigen. Hinzu kommen kurzfristig Mietausfälle wegen Zahlungsunfähigkeit. Diese dürften sich jedoch in Grenzen halten und vor allem zeitlich befristet sein, dafür sorgen die bestehenden Transfers wie Wohngeld und Übernahme der Kosten der Unterkunft im Rahmen von Hartz IV. Bei beiden Systemen wurde jetzt zudem der Zugang erleichtert. Ob und wie viele Trittbrettfahrer des Mietenmoratoriums es geben wird, ist noch nicht absehbar. Zumindest in Einzelfällen könnten aber Zahlungen unberechtigt (!) ausbleiben, weil die Mieter zunächst ihre Liquidität behalten wollen.

Insgesamt rechnen wir in den kommenden Monaten mit einer Delle bei den Kaufpreisen, die bei minus zehn bis minus 25 Prozent liegen dürfte. Die Mieten werden erheblich weniger und wohl nur kurzzeitig nachgeben und danach wie schon vor Corona weiter stagnieren.

Langfristige Effekte: Erholung in Sicht

Wir unterstellen eine schnelle Erholung des BIP im Jahr 2021. Diese Annahme unterstellt, dass Deutschland sich schneller als seine Nachbarländer erholt. Dafür sprechen zwei Gründe. Zum einen erfolgte der Shutdown überraschenderweise schneller und smarter als anderswo. Mit „smart“ ist gemeint, dass die Wirtschaft trotz Shutdown weniger stillsteht als in Italien, Spanienoder Frankreich. Zum anderen ist Deutschland „nur“ im Stand-by, d.h. dank der spezifisch deutschen Kurzarbeitsregelung müssen erheblich weniger Mitarbeiter entlassen werden und kann deswegen sehr schnell die Produktion wieder aufgenommen werden.

Insgesamt erwarten wir daher langfristig, das ist im besten Falle ab Ende 2021, eine Erholung der Kaufpreise. Dafür sprechen 5 Gründe:

· (wieder) sinkende Zinsen
(EZB weitet Geldmenge noch weiter aus, weltweite Ersparnisse weiterhin hoch gemessen am Kapitalbedarf);

· Anstieg demographischer Zusatzbedarf
(Grenzöffnung, Corona-bedingt Zuwanderung aus (Süd-)Europa, UK, US);

· Keine Notverkäufe mehr
(allenfalls ausl. Eigentümer aus Ländern, deren BIP sich langsamer erholt);

· Stockende Neubautätigkeit
(Verzögerungen bei Genehmigungen/Planungen, insolvente Bauträger);

· Erholung der Nachfrage durch Kapitalanleger
(Deutschland bleibt sicherer Hafen, es gibt weiterhin viel oder gar noch mehr Kapital, das angelegt werden will).

Sollte es tatsächlich eine neue Zuwanderungswelle geben, dann werden je nach Ausmaß auch die Mieten wieder zulegen. Ohne Zuwanderung werden die Neuvertragsmieten dagegen insgesamt stagnieren, im Umland der Schwarmstädte sowie in den Ausweichstädten nur noch langsam steigen und in den Schwarmstädten der ersten Stunde zum Teil sogar leicht nachgeben.

Insgesamt rechnen wir im besten Falle mit einer Stabilisierung der Kaufpreise ab Ende 2021 sowie mit (leicht) steigenden Kaufpreisen und Mieten, sobald und in dem Maße wie die Einwohnerzahl in Deutschland durch eine neue Außenwanderung wächst.

Fazit: In den kommenden Wochen und Monaten muss der Markt sehr genau beobachtet werden. Nach dem Einfrieren und Absacken der Kaufpreise könnte es einzelne „Schnäppchen“ geben, aber insbesondere ist auf die Vorzeichen einer kommenden Erholung von Kaufpreisen zu achten. Relevante Indikatoren dafür sind (nach ihrer Fristigkeit):

· Verweildauer, Anzahl neuer Angebote/Inserate;

· Zinsen und Bankkonditionen;

· BIP, Insolvenzen, Zwangsversteigerungen und Arbeitslosenquote in Deutschland;

· Wanderungssaldo mit und BIP in (Süd-)Europa, UK, US.

Daneben wird es graduelle Präferenzänderungen geben. Wir werden nicht alle und bei weitem nicht immer im Homeoffice arbeiten, aber viele derjenigen, die das grundsätzlich könnten, sind jetzt angemessen ausgestattet. Zusammen mit der Erfahrung von Kontakt- und Ausgangssperren werden deswegen künftig spezifische Eigenschaften von Wohnungen etwas oder noch mehr als bisher schon in den Vordergrund rücken. Dazu gehören neben Lage und Ausstattung vor allem die Zahl der Zimmer (idealerweise pro Kind ein Zimmer plus Arbeitszimmer) und das Vorhandensein eines großen Balkons, besser eines eigenen Gartens, sowie ein großer Vorratsraum. In diesem Zusammenhang werden auch einfamilienhausähnliche Wohnformen und das selbst genutzte Wohneigentum noch mehr geschätzt als bisher und auf der anderen Seite Mikro-Apartments und Co-Living weniger geschätzt werden. Leistbar sind die dazu erforderlichen, größeren Wohnungen allerdings nur, wenn wir es endlich, endlich schaffen, in den Schwarmstädten mehr Bauland im Außenbereich auszuweisen und das Bauen durch eine beherzte Entrümpelung der Vorschriften zu erleichtern, zu digitalisieren und zu beschleunigen

Marktveränderungen

Hotspots bleiben weiterhin Hotspots, wegen der Ausweichstädte dürften einige neue hinzukommen (auch ohne Corona), im Falle spezifischer Unternehmensinsolvenzen könnten natürlich auch einige wegfallen (ohne VW/Audi wären Wolfsburg oder Ingolstadt keine Hotspots mehr, von diesem Szenario gehen wir aber nicht aus).

Die Kalkulation für „Schrottlagen“ (1950er Jahre, unsaniert, an 6-spuriger Kreuzung mit Fluglärm) und für teure Neubauten (mit eingebauter Mietsteigerungserfordernis und wenig Eigenkapital finanziert) geht nicht mehr auf. Das wäre sowieso passiert, wird durch Corona aber beschleunigt.

Politische Veränderung

Ohnehin schon immer gewünschte politische Veränderungen haben jetzt eine höhere Umsetzungschance. Man muss davon ausgehen, dass infolge der tatsächlich wie auch der gefühlten sozialen Verwerfungen der Wohnungsmarkt künftig wieder (!) stärker reguliert wird, eine Vermögensabgabe oder zumindest eine Grundsteuerreform mit erhöhtem Aufkommen eingeführt wird, die Einkommensteuern steigen werden (Corona-Soli) und eine die jungen Familien entlastende Reform der Grunderwerbsteuer mindestens verschoben wird.

Für die Rendite sind solche Nachrichten zunächst schlechte Neuigkeiten. Allerdings nur kurzfristig. Denn mittelfristig führt und führte schon immer jede restriktive politische Maßnahme auf dem Wohnungsmarkt dazu, dass zunächst weniger Wohnungen gebaut werden, die Knappheit dadurch mehr als erforderlich ansteigt. Erst wenn Mieten und Kaufpreise dann wieder ein rentables Niveau gefunden haben, zieht auch der (privat-finanzierte) Neubau auf breiter Front wieder an – dann allerdings auf höherem Preisniveau. Immobilien sind eben was für Langfristanleger, nicht für Glücksritter.

Fazit: Deutschland hat einen gut organisierten und derzeit sogar sehr flexiblen Sozialstaat (Wohngeld, Hartz IV, Kurzarbeitergeld). Das wird Deutschland helfen, schneller als andere einen soliden Weg aus der Krise zu finden. Hinzu kommt: Gewohnt wird immer! Auch wenn kurz- bis mittelfristig die Preise und vielleicht auch die Mieten sinken werden, wird es dennoch keine Leerstände wie in den 1990er Jahren geben. Langfristig wird Deutschland ein sicherer Hafen für Kapitalanleger bleiben, und auch die Konsumnachfrage nach dem Gut „Wohnen“ wird spätestens durch eine nicht unwahrscheinliche neue Außenwanderungswelle aus (Süd-)Europa stabil wachsen.

https://www.focus.de/immobilien/experten/braun/pandemie-so-wirkt-sich-die-krise-auf-deutschlands-immoblienmarkt-aus_id_11884577.html

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KGV hat keinen Sinn mehr So finden Anleger jetzt günstige Aktien

Wolfgang Böhm, 12. APRIL 2020

Generell gilt: Je mehr Kennzahlen ein Anleger nutzt, desto besser kann er den Wert einer Aktie einschätzen.
(Foto: imago/Schöning

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist wohl die am meisten gebrauchte Kennzahl für die Bewertung von Aktien. Doch in der Corona-Krise funktioniert sie nicht mehr. Dasselbe gilt für die Dividendenrendite. Andere Kennzahlen sind hilfreicher.

Börsianer halten sich immer zugute vorauszuschauen. In normalen Zeiten ist das durchaus sinnvoll. So erfolgt die Berechnung des KGVs auf dem erwarteten Gewinn je Aktie, durch den der Aktienkurs dividiert wird. Basis wäre jetzt also eigentlich der Gewinn, mit dem für das laufende oder das kommende Geschäftsjahr zu rechnen ist.

Nun weiß jedoch zurzeit kein Mensch und auch kein Aktienanalyst, wie lange der Shutdown der Wirtschaft noch dauern wird und welche Folgen das für die Unternehmen hat. Gewinnschätzungen kommen in diesem Umfeld einem Würfelspiel gleich. Die Schätzungen der Unternehmensanalysten helfen da auch kaum weiter. Denn erfahrungsgemäß passen sie ihre Prognosen dem Umfeld meistens mit einer größeren zeitlichen Verzögerung an.

Blick in die Vergangenheit

In diesem völlig unsicheren Umfeld ergibt es mehr Sinn, sich auf Fakten zu stützen, also für die KGV-Berechnung die in der Vergangenheit erzielten Gewinne eines Unternehmens zu nutzen. Um Ausreißer nach oben oder unten zu eliminieren, bietet es sich an, die Gewinne mehrerer Jahre heranzuziehen. Der Anleger kann also beispielsweise eine Aktie anhand der Gewinne der zurückliegenden zehn Jahre bewerten. So bekommt er ein Gefühl dafür, wie viel ein Unternehmen in normalen Jahren durchschnittlich verdient.

Beispiel Daimler: Der Konzern hat in den vergangenen zehn Jahren einen Gewinn je Aktie zwischen 2,22 Euro im Jahr 2019 und 9,61 Euro im Jahr 2017 erzielt. Im Durchschnitt lag der Gewinn je Aktie bei Daimler von 2010 bis 2019 bei 6,30 Euro. Bei einem aktuellen Kurs von 28,64 Euro ergibt sich ein durchschnittliches KGV von 4,5. Das gilt selbst für die generell eher niedrig bewerteten Autoaktien als preiswert. Das sogenannte Shiller-KGV, entwickelt von dem amerikanischen Nobelpreisträger Robert Shiller, nutzt ebenfalls die Gewinne der vergangenen zehn Jahre – und zwar die inflationsbereinigten. Dies ist allerdings für den Kleinanleger in der Regel nicht ganz so einfach zu berechnen.

Dividendenrendite mit Fragezeichen

Eine weitere beliebte und häufig genutzte Kennzahl ist die Dividendenrendite, also der Gewinn je Aktie, der ausgeschüttet wird. Nun ist es in diesem Jahr jedoch keineswegs gesagt, dass die ursprünglich angekündigten Dividenden auch tatsächlich gezahlt werden. Der Hersteller von Flugzeugtriebwerken MTU hat bereits bekannt gegeben, die Ausschüttung von 3,40 je Aktie zu streichen. Bei MTU handelt es sich immerhin um einen Dax-Wert. Der britische Konkurrent Rolls-Royce ist diesem Beispiel bereits gefolgt – ebenso der Modekonzern Hugo Boss.

Es ist wohl verständlich, dass Unternehmen, wenn sie weder produzieren noch Produkte verkaufen, erst einmal ihr Geld zusammenhalten. Außerdem ist zu erwarten, dass der öffentliche Druck zunimmt. Es ist kaum nachzuvollziehen, dass Firmen, die vom Staat Kurzarbeitergeld beziehen, gleichzeitig Milliarden von Euro an ihre Aktionäre ausschütten. Den drei genannten Unternehmen könnten weitere mit Kürzungen oder Streichungen der Dividenden folgen.

Gute Alternativen

Wahrscheinlich besser geeignet zur derzeitigen Bewertung von Aktien sind das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) und die Eigenkapitalquote. Das KBV setzt die Marktkapitalisierung, also den Börsenwert, zum Eigenkapital ins Verhältnis. Um beim Beispiel von Daimler zu bleiben: Das Unternehmen wird aktuell an der Börse mit 30,5 Milliarden Euro bewertet. Dem stand am 31. Dezember 2019 ein Eigenkapital in Höhe von 62,8 Milliarden Euro gegenüber. Das Unternehmen wird also derzeit nur mit knapp der Hälfte dessen bewertet, was tatsächlich den Aktionären gehört. Das KBV liegt bei 0,49. Generell gilt: Je niedriger das KBV ist, desto günstiger ist eine Aktie.

Darüber hinaus liefert die Eigenkapitalquote einen guten Hinweis darauf, wie stabil eine Bilanz ist. Sie gibt an, welcher Teil der Bilanzsumme, also des gesamten Kapitals eines Unternehmens, den Aktionären, also den Eigentümern zuzurechnen ist. Je höher sie ist, desto besser. Als Faustregel gilt, dass Unternehmen mit einer Eigenkapitalquote von mehr als 30 Prozent als solide finanziert gelten. Bei einem niedrigeren Wert schleppen sie (zu) hohe Schulden mit sich herum. Bei Daimler ist die Eigenkapitalquote in den vergangenen zehn Jahren von 26,5 auf zuletzt nur noch 20,5 Prozent gefallen.

Außerdem ist in Zeiten eines zum Teil völligen Produktionsstopps die Liquidität einen Blick wert, also der Umfang der Barmittel. Deren Höhe vermittelt zumindest ein Gefühl dafür, wie lange ein Unternehmen ohne Produktion und ohne staatliche Hilfen durchhalten kann. Daimler verfügte Ende 2019 über einen Cash-Bestand von 18,9 Milliarden Euro.

Generell gilt: Je mehr Kennzahlen ein Anleger nutzt, desto besser kann er den Wert einer Aktie einschätzen. Das gilt erst recht bei den Kurskapriolen, die wir derzeit an den Aktienmärkten erleben.

Über den Autor: Wolfgang Böhm arbeitet als freier Finanz- und Wirtschaftsjournalist in Berlin.

Quelle: ntv.de

https://www.n-tv.de/ratgeber/So-finden-Anleger-jetzt-guenstige-Aktien-article21705148.html

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corona-virus Deutsche sorgen sich um ihre private Altersvorsorge

Von Manila Klafack, 06.04.2020

Neben den finanziellen Einbußen durch den Verlust des Jobs oder durch Kurzarbeit machen sich die Deutschen Sorgen darüber, wie sich die aktuelle Situation auf ihre private Altersvorsorge auswirken könnte. Diese Frage treibt laut einer Umfrage des Verbraucherzentrale Bundesverbands derzeit jeden dritten Bundesbürger um.

Nicht nur die eigene unklare finanzielle Situation durch eventuellen Jobverlust oder finanzielle Einbußen durch Kurzarbeit sowie die Bewegungen am Aktienmarkt der vergangenen Wochen beunruhigen die Deutschen. Einer Umfrage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) zufolge sorgt sich ein Drittel (33 Prozent) stark, dass die private Altersvorsorge an Wert verlieren könnte.

Manila Klafack

Manila Klafack ist Redakteurin bei Pfefferminzia. Nach ihrer Ausbildung zur Redakteurin verantwortete sie zuvor in verschiedenen mittelständischen Unternehmen den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit

https://www.pfefferminzia.de/corona-virus-deutsche-sorgen-sich-um-ihre-private-altersvorsorge/

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umfrage Corona wirkt sich auf Anschaffungspläne und Sparverhalten aus

Manila Klafack, 02.04.2020

Nicht nur jetzt, da die meisten Geschäfte ohnehin geschlossen sind, wird sich die Corona-Krise auf das Konsumverhalten auswirken. Einer aktuellen Umfrage der Norisbank zufolge, wollen die Deutschen die finanziellen Auswirkungen der Situation abwarten, bevor sie wieder größere Anschaffungen realisieren.

Die Auswirkungen der Maßnahmen bezüglich der Corona-Pandemie strahlen auf die Anschaffungspläne und das Sparverhalten der Deutschen aus. Fast die Hälfte der Bundesbürger (45 Prozent) will aufgrund der Corona-Krise die persönlichen finanziellen Auswirkungen abwarten, bevor sie sich Größeres leisten. Daher haben sie den Kauf eines neuen Autos, neuer elektronischer Geräte oder etwa die Investition in eine Immobilie erst einmal zurückgestellt.

Das hat eine repräsentative Umfrage der Norisbank ergeben. Demnach planen aktuell nur 17,5 Prozent der Befragten eine größere Anschaffung. Vor sechs Monaten waren es noch 21 Prozent; im Jahr 2018 planten das noch 23,4 Prozent. Insbesondere Frauen (16,5 Prozent) stellen laut Umfrage ihre Konsumpläne zurück. 2019 waren es noch 22,7 Prozent.

Auto und Haus sind die häufigsten Wünsche

Dennoch zeigt das Ranking der Anschaffungswünsche für 2020 trotz Corona-Pandemie klare Präferenzen. Es dominiert weiterhin die Autobegeisterung (2020: 56,0 Prozent, 2019: 50,2 Prozent). Auch in ein eigenes Heim zu investieren, wird der Umfrage zufolge immer beliebter und belegt Platz 2 im Gesamtranking (2020: 46,2 Prozent; 2019: 37,4 Prozent). Vor allem die 18- bis 29-Jährigen träumen von den eigenen vier Wänden: Mehr als die Hälfte (54 Prozent) erwägt den Kauf eines Eigenheims.

Sparen wollen dagegen aktuell deutlich weniger Deutsche als noch 2019. Der Wert ist von 48,7 auf jetzt 39,6 Prozent gesunken. Gleichzeitig gibt nur noch etwa jeder Zehnte an, dass er sein Geld mit Blick auf das derzeitige Zinsniveau auf dem Girokonto belässt und nicht anderweitig anlegt. Die Bereitschaft, in Aktien und Fonds zu investieren, steigt dementsprechend leicht an, von 16,9 Prozent im vergangenen auf 19,2 Prozent in diesem Jahr.

Eine weitere Erkenntnis der Befragung: Für viele Deutsche bleibt die Finanzierung über einen Kredit eine verlockende Option. In der aktuellen Situation würden mehr als zwei Drittel der Befragten für ihre Wünsche einen Kredit aufnehmen. Die Zahl derjenigen, die fest einplanen, auf einen Kredit zurückzugreifen, hat sich verdoppelt und liegt bei fast einem Drittel (32,1 Prozent) der Befragten, während es 2019 noch 15,6 Prozent waren.

Manila Klafack

Manila Klafack ist Redakteurin bei Pfefferminzia. Nach ihrer Ausbildung zur Redakteurin verantwortete sie zuvor in verschiedenen mittelständischen Unternehmen den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.

Corona wirkt sich auf Anschaffungspläne und Sparverhalten aus – Pfefferminzia.de

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Banken in Corona-Krise: KfW und gesenkter Kapitalpuffer erhöhen Spielraum für Kredite; manager magazin (reposted)

Politik, Bankenbranche und Finanzaufsicht haben den Spielraum ausgebaut, um Unternehmen bei der Bewältigung des Corona-Schocks zu helfen. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch haben die Bundesregierung und Deutschlands größte Förderbank KfW die Bedingungen für die Hilfskredite festgelegt, die ab sofort beantragt werden können. Um den Prozess zu vereinfachen und die Auszahlung möglichst zügig vorzunehmen, werde man die Risikobewertung der Hausbank übernehmen, kündigte KfW-Chef Günther Bräunig an.

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Author: Katharina Slodczyk / 18.03.2020

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Banken in Corona-Krise: KfW und gesenkter Kapitalpuffer erhöhen Spielraum für Kredite; manager magazin (reposted)

Politik, Bankenbranche und Finanzaufsicht haben den Spielraum ausgebaut, um Unternehmen bei der Bewältigung des Corona-Schocks zu helfen. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch haben die Bundesregierung und Deutschlands größte Förderbank KfW die Bedingungen für die Hilfskredite festgelegt, die ab sofort beantragt werden können. Um den Prozess zu vereinfachen und die Auszahlung möglichst zügig vorzunehmen, werde man die Risikobewertung der Hausbank übernehmen, kündigte KfW-Chef Günther Bräunig an.

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Author: Katharina Slodczyk / 18.03.2020

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Bund der Versicherten: Diese Versicherungen sind unnötig

11.03.2020

Vorsicht ist besser als Nachsicht. Nach dieser Devise entscheiden sich wahrscheinlich viele Privatpersonen für eine Versicherung. Ein guter Schutz ist im Leben auch unbedingt notwendig. Heutzutage gibt es allerdings einen Urwald an Versicherungsprodukten, von denen viele mehr kosten als sie wirklich nützen.

Die Entscheidung über den Abschluss einer Versicherung fällt uns oft nicht leicht. Die entsprechenden Anbieter möchten mit ihren Produkten neben unserer Absicherung auch Gewinne mit dem Verkauf erzielen. Deshalb stellt sich oft die Frage: Ist diese Versicherung wirklich sinnvoll für mich?

Versichern Sie sich gegen den “GAU”

Grundsätzlich sollte man sich gegen die Schadensfälle versichern, welche die persönliche finanzielle Tragfähigkeit übersteigen oder gar die eigene Existenz bedrohen. Dementsprechend empfiehlt die Verbraucherzentrale, sich gegen den “größten anzunehmenden Unfall” abzusichern. Hierunter fällt auf jeden Fall die private Haftpflichtversicherung. Auf Policen, die nur kleine Schäden abdecken, kann man somit eher verzichten. Allerdings ist auch immer die individuelle Lebenssituation zu berücksichtigen. Eigenheimbesitzer sollten unbedingt eine Wohngebäudeversicherung abschließen. Als Alleinverdiener einer Familie ist zur finanziellen Absicherung der Angehörigen eine eigene Risikolebensversicherung sinnvoll.

Überflüssige Versicherungen

Als Orientierungshilfe hat der “Bund der Versicherten e. V.” (BdV) ein Infoblatt veröffentlicht, welches zehn Versicherungen auflistet, die im Regelfall von Verbraucherinnen und Verbrauchern nicht benötigt werden. Der BdV erklärt in seinem Schreiben, dass der Einfallsreichtum mancher Versicherer enorm sei und viele Versicherungsprodukte schlicht zur reinen Gewinnmaximierung entwickelt werden würden. Nach Angaben des Vereins erfreuen sich dennoch seltsame Angebote des Öfteren einem erstaunlichen Interesse. Zum Schutz vor dem Abschluss unsinniger Policen soll nun das Infoblatt dienen, auch wenn dieses eine individuelle Beratung nicht ersetzt.

Platz 10: Glasbruchversicherung

Die Glasbruchversicherung deckt die Kosten der Reparatur einer kaputten Scheibe ab. Da es sich hier lediglich um eine geringe finanzielle Belastung des Einzelnen handelt, dürfte wohl kaum jemand eine Versicherung unbedingt benötigen. Die laufenden Kosten übersteigen wahrscheinlich den Nutzen des Schutzes. Nur in Sonderfällen kann sich eine Versicherung wirklich lohnen. Beispielsweise, wenn man einen Wintergarten oder eine sehr teure Spezialverglasung des Hauses besitzt.

Platz 9: Brillenversicherung

Brillen können ziemlich teuer sein. Eine Versicherung lohnt sich aber trotzdem nicht, da nicht jeglicher Schaden vollständig ersetzt wird. Bei einer Beschädigung gibt es zwar neue Gläser und ein neues Gestell, jedoch werden bei der Wahl von besonderen oder hochwertigen Varianten “kräftige Zuzahlungen” fällig. Bleibt der Schadensfall aus, erhält der Versicherte frühestens nach zwei Jahren eine neue Fassung und nur bei deutlichen Sehstärkenveränderungen neue Gläser. Und auch hier können je nach Modell hohe Zuzahlungen verlangt werden.

Platz 8: Krankenhaustagegeldversicherung

Die Krankenhaustagegeldversicherung zahlt bei einem stationären Krankenhausaufenthalt pro Tag einen vorher vereinbarten Betrag. “Ob diese Versicherung die finanzielle Grundlage für das tägliche Obst oder für das Fernsehgerät im Krankenhaus sein muss, ist mehr als fraglich”, erklärt der BdV in seinem Infoblatt. Existenzielle Risiken werden durch die Police nicht abgesichert, sodass dem Versicherungsschutz keine wirkliche Notwendigkeit abgeleitet werden kann.

Platz 7: Reisegepäckversicherung

Bei dem Abschluss einer Versicherung sollte man sich auch immer vergewissern, wann eine Leistung wirklich gezahlt wird. Um von einer Reisegepäckversicherung Geld zu erhalten, muss man nach Angaben des BdV seine Packstücke immer fest bei sich halten. Im Falle eines Verlusts unterstellt der Versicherer ansonsten ein grob fahrlässiges Verhalten. “Zudem sind Wertsachen o. ä. nur unzureichend mitversichert.” Manche Gefahren bezüglich des Gepäcks sind auch schon über die Hausratversicherung abgedeckt.

Platz 6: Handyversicherung

Der Verlust oder die Beschädigung eines Smartphones treibt den Besitzer nicht in den finanziellen Ruin, selbst wenn etwaige Vorfälle sehr ärgerlich sein können. Eine entsprechende Versicherung abzuschließen, dürfte sich auch unter Kostengesichtspunkten nicht lohnen, da lediglich der Zeitwert des Handys entschädigt wird. Hinzu kommt noch die Zahlung einer Selbstbeteiligung.

Platz 5: Versicherung gegen “häusliche Notfälle”

Zu “häuslichen Notfällen” kommt es, wenn man einen Notdienst kontaktieren muss. Das kann der Fall sein, wenn man sich aus dem eigenen Haus ausgesperrt hat oder die Heizung plötzlich ausgefallen ist. Notdienste sind zwar üblicherweise teurer als Handwerker, in eine finanzielle Schieflage dürften die Aufwendungen den “Notleidenden” trotzdem nicht führen. Außerdem treten diese Situationen nur begrenzt ein. Die Versicherung dürfte sich deshalb wohl kaum lohnen.

Platz 4: Unfallversicherung mit Beitragsrückgewähr

Diese Police wird vom BdV als “Milchmädchen-Rechnung” bezeichnet. Der Betrag, der später an den Versicherten zurückfließt, wurde vorher von ebendiesem zusätzlich eingezahlt. Die Wirtschaftlichkeit der Vereinbarung geht damit gegen Null. “Obendrein wird die Erstattungssumme nur mäßig verzinst.” Die Vertragsleistungen seien außerdem oftmals nicht ausreichend.

Platz 3: Insassenunfallversicherung

Im Falle eines selbst verursachten Unfalls mit dem eigenen Wagen sind die möglichen Verletzungen ihrer Mitfahrer über die persönliche Kfz-Haftpflichtversicherung abgedeckt. “Trägt ein anderer Verkehrsteilnehmer die Schuld, zahlt dessen Versicherung”, erläutert der BdV. Auf eine zusätzliche Versicherung kann deshalb verzichtet werden.

Platz 2: Sterbegeldversicherung

Die Sterbegeldversicherung soll nach dem eigenen Ableben die Hinterbliebenen finanziell entlasten. Allerdings handelt es sich hier laut dem BdV um “eine geldzehrende Kapitallebensversicherung”. “Wer sie abschließt, zahlt bei langer Laufzeit am Ende häufig mehr ein als die Hinterbliebenen herausbekommen.” Für eine Unterstützung der Angehörigen sind demnach andere Geldanlagen die bessere Alternative.

Platz 1: Kapitallebensversicherung und private Rentenversicherung

Beide zählen zu den vermögensbildenden Versicherungen. Dabei sind sie gemäß dem BdV “weder zur Altersvorsorge noch zur Vermögensbildung geeignet”. Aufgrund von Niedrigzinsen, intransparenten und oftmals überteuerten Kostenstrukturen sowie überzogenen Langlebigkeitsannahmen entsprechen die “garantierten Leistungen nicht einmal der Summe der eingezahlten Beiträge”.

Redaktion finanzen.net

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Bildquellen: Devin_Pavel / Shutterstock.com, Marian Weyo / Shutterstock.com

https://www.finanzen.net/nachricht/geld-karriere-lifestyle/geldverschwendung-bund-der-versicherten-diese-versicherungen-sind-unnoetig-8592916

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Versicherungsvertrieb 2017: Die fünf Veränderungstreiber

Der deutsche Versicherungsvertrieb steht auch 2017 vor großen Veränderungen. Berater müssen aktiv vorangehen, um den Anschluss nicht zu verpassen. Fünf Veränderungstreiber werden den Versicherungsvertrieb 2017 beeinflussen.

25. Januar 2017
Kolumne von Jürgen Fink, Salesurance GmbH

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“Digitalisierung ist der Schlüssel um Kunden zukünftig allumfassender und effizienter beraten zu können.”

1. Berater müssen den digitalen Kundenerwartungen gerecht werden
Kunden erwarten, dass ihnen Versicherungsprodukte und Beraterleistungen auf allen medialen Kanälen zur Verfügung stehen. Personalisierung, Transparenz, Einfachheit, Selbstbestimmung und Schnelligkeit sind Merkmale, auf die Kunden auch im Jahr 2017 großen Wert legen. So wurden 2016 beispielsweise bei 84 Prozent aller Abschlüsse vorab Informationen über das Internet eingeholt. Letztlich abgeschlossen wurde jedoch zu nahezu 60 Prozent in einer örtlichen Versicherungsagentur. Berater müssen diesen Kundenerwartungen gerecht werden und das eigene Geschäftsmodell konsequent digitalisieren.

2. Nutzung von digitalen Technologien wird weiter steigen
Sowohl Versicherer als auch Berater müssen für einen konstanten Erfolg in der Branche umdenken und alte Geschäftsmodelle modernisieren. Hierbei geht es darum, bereits vorhandene Prozesse in der digitalen Nutzung weiter auszubauen und gleichzeitig neue digitale Vertriebsideen mit einfließen zu lassen. Ziel der Versicherungsbranche und der Berater sollte es sein, das jeweilige Geschäftsmodell vollumfassend auf die digitale Welt auszuweiten. Hierbei geht es nicht nur um die Neukundengewinnung durch regionales Online-Marketing sondern auch um digitale Betreuung der Bestandskunden.

3. Zunahme der digitalen Konkurrenz

Durch die Digitalisierung des Versicherungswesens zeigen junge Start-Ups vermehrt Präsenz auf dem Versicherungsmarkt. Durch ihre ausgeprägten Kenntnisse im Online-Marketing-Bereich und durch eine Vielzahl von Leistungen, die auf dem Konzept des “Big Data” aufbauen, ist eine neue Gruppe von Konkurrenten für die traditionellen Versicherungsgesellschaften und Berater entstanden. Dieser Konkurrenz müssen sich Vermittler selbstbewusst stellen, indem das eigene Geschäftsmodell konsequent digitalisiert wird.

4. Regulatorische Richtlinien setzen den Vertrieb unter Veränderungsdruck
Dieses Jahr wird unter anderem die bereits bestehende Versicherungsvertriebsrichtlinie IDD in gültiges Recht umgesetzt. Zunehmende Regulierung und eine höhere Bedeutung des Verbraucherschutzes erfordern neue, transparente und nachvollziehbare Beratungs- 
und Verkaufsprozesse sowie die notwendige Qualifizierung der Vertriebsmitarbeiter. Die Bedeutung der auf den eigentlichen Vertragsabschluss ausgerichteten Vergütungselemente wird weiter sinken, wohingegen die auf Serviceleistungen und Betreuung des Kunden gerichteten Elemente an Bedeutung gewinnen werden. Diesen Herausforderungen müssen sich Berater aktiv stellen und das bestehende Geschäftsmodell frühzeitig auf die regulatorischen Richtlinien ausrichten.

5. Kosteneffizienz durch Digitalisierung erreichen
Das veränderte Nutzerverhalten, der technologische Fortschritt sowie die steigende Regulierungskomplexität in Verbindung mit stagnierenden Provisionseinnahmen zwingen die Berater dazu, das eigene Geschäftsmodell radikal zu überdenken.

Digitalisierung ist der Schlüssel um Kunden zukünftig allumfassender und effizienter beraten und betreuen zu können. Eine Produktivitätssteigerung lässt sich aber nicht nur durch die digitale Betreuung von Bestandskunden erreichen, auch durch die gezielte Generierung von Neukunden über regionales Online-Marketing lässt sich der Umsatz im Vertrieb steigern. Ein entscheidender Erfolgsfaktor für Berater wird das Thema Kosteneffizienz bei gesteigerter Produktivität durch digitalisierte Vertriebsprozesse sein.

Autor Jürgen Fink ist Geschäftsführer bei der Salesurance GmbHmit Sitz in Berlin.

Foto: Shutterstock

https://www.cash-online.de/versicherungen/2017/versicherungsvertrieb-4/359384/2#