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Auswirkungen der pandemie – Versicherer erwarten teils deutlich weniger Neugeschäft

Erzwungene Digitalisierung an den Hochschulen. Für die Versicherungswirtschaft sehen hier einer aktuellen Umfrage zufolge viele jedoch eine Chance.© dpa/ picture-alliance/ Thomas Frey

· Von Manila Klafack,  28.04.2020 

Durch die Corona-Pandemie wird sich das Neugeschäft reduzieren, erwarten 84 Prozent der Versicherer laut einer aktuellen Umfrage. Zugleich sehen 93 Prozent auch positive Nebenaspekte in der Krise: Der Vertrieb wird moderner, die Digitalisierung voranschreiten und das Arbeiten insgesamt flexibler.

84 Prozent der Versicherungsunternehmen erwarten einen Rückgang des Neugeschäfts durch die Corona-Krise. 57 Prozent gehen sogar von einem starken Rückgang aus. Insbesondere Lebens- und Kfz-Versicherungen werden nach Ansicht der Branche betroffen sein. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) und der V.E.R.S. Leipzig GmbH hervor.

30 Versicherer hatten demnach auf die „Blitz“-Umfrage reagiert und so ein Stimmungsbild aus der Branche ermöglicht. 96 Prozent der Befragten gehen darin von negativen Auswirklungen auf das Kapitalanlageergebnis aus, 14 Prozent sogar von einer stark negativen Entwicklung, besonders im Bereich der Aktien. Fast die Hälfte (45 Prozent) der Unternehmen will daher ihre Anlagestrategie anpassen und unter anderem den Anteil an Aktien- und Immobilieninvestments reduzieren.

Alle Umfrageteilnehmer sehen in der jetzigen Situation Herausforderungen: 87 Prozent trifft die Corona-Krise nach eigener Einschätzung voll, auf 13 Prozent eher zu. Ein Fünftel (21 Prozent) der Unternehmen erwartet, dass die Branche wegen der Corona-Krise in den kommenden zwei Jahren Personal abbauen wird. Ebenfalls 21 Prozent gehen davon aus, dass sich die Prämien für die Versicherten erhöhen werden.

Zudem verstärke die Corona-Krise die ohnehin deutliche Tendenz zur abnehmenden Zahl anVersicherungsvermittlern (Versicherungsmakler, Ausschließlichkeitsorganisation), wie es weiter heißt.

Schub für die Digitalisierung

Satte 93 Prozent blicken jedoch auch positiv auf die Veränderungen. Von ihnen erwarten fast alle einen Digitalisierungsschub beziehungsweise eine Flexibilisierung der Arbeitsmodelle. 70 Prozent erwarten, dass der Vertrieb modernisiert wird.

„Die Corona-Krise hat Auswirkungen auf die gesamte Wertschöpfungskette der Versicherungsbranche“, sagt Thomas Korte, Leiter des Versicherungsbereiches bei EY in Deutschland. Dabei könnten nur jene Unternehmen gestärkt aus der Krise hervorgehen, „die neben einem effektiven Krisenmanagement auch das Tagesgeschäft und die langfristige Transformation meistern“, so Korte.

Es würden sich bereits Trends abzeichnen, die alle und insbesondere die Versicherer auch nach der Krise beschäftigen werden. Das betreffe beispielsweise die Digitalisierung und die Transformation der Geschäftsmodelle, die deutlich beschleunigt werde. Wer bereits jetzt gute digitale Lösungen habe – insbesondere im direkten Kontakt mit Kunden – und weiter konsequent daran arbeitet, könne sich einen Wettbewerbsvorteil sichern, resümiert Korte.

Manila Klafack

Manila Klafack ist Redakteurin bei Pfefferminzia. Nach ihrer Ausbildung zur Redakteurin verantwortete sie zuvor in verschiedenen mittelständischen Unternehmen den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.

Versicherer erwarten teils deutlich weniger Neugeschäft – Pfefferminzia.de

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Durch die Corona-Pandemie wird sich das Neugeschäft reduzieren, erwarten 84 Prozent der Versicherer laut einer a…

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Warum Börsianer mit dem Einstieg noch warten können

28.04.2020
Börsenprofi Carsten Klude erklärt
Warum Börsianer mit dem Einstieg noch warten können

Von Carsten Klude

REUTERS/Kai Pfaffenbach

Geduld ist eine Tugend, die an der Börse bares Geld wert sein kann: Es dürfte in den kommenden Wochen noch günstigere Einstiegskurse geben als derzeit, denn die Gewinnerwartungen sind aktuell noch sehr optimistisch

Das Coronavirus hat an den Aktienmärkten tiefe Spuren hinterlassen. Am 19. Februar erreichte der Dax mit einem Schlusskurs von 13.789 Punkten einen historischen Rekordwert, ebenso wie der Stoxx 50, der S&P 500 und die US-Technologiebörse Nasdaq. Am folgenden Wochenende breitete sich die Lungenkrankheit Covid-19 dann über China hinaus zunehmend in anderen Ländern aus, und die Börsen schalteten in den Korrekturmodus. Vier Wochen später stand der Dax bei 8442 Punkten und hatte somit fast 40 Prozent verloren – und mit ihm auch die meisten anderen Börsenplätze.

Nie zuvor dagewesene geld- und fiskalpolitische Maßnahmen sowie die Hoffnung auf eine baldige Eindämmung der Pandemie haben in den vergangenen vier Wochen die Kurse wieder ansteigen lassen. Der Dax notiert über der Marke von 10.300 Punkten und hat seit seinem Tief wieder mehr als 20 Prozent hinzugewonnen. Anleger, die in den vergangenen Wochen nichts getan haben, befürchten, die Trendwende zu verpassen und fragen sich, ob nun der richtige Zeitpunkt gekommen ist, die Aktienquote zu erhöhen.

Leider kann niemand mit Gewissheit vorhersagen, ob die Kurse in der nächsten Zeit weiter steigen oder erneut fallen werden. Dazu sind die wirtschaftlichen Unsicherheiten viel zu groß. Häufig orientieren sich Aktienmärkte in solchen Phasen deswegen eher an markttechnischen Gegebenheiten. Denn die Fundamentaldaten müssen in einer Zeit, in der Ökonomen ihre Prognosen im Wochenrhythmus anpassen und Unternehmen keine Aussagen mehr über ihre die Zukunft geben, erst einmal neu kalibriert werden. Doch selbst wenn die fundamentale Datenlage alles andere als sicher ist, lassen sich unseres Erachtens nach mit den sich abzeichnenden ökonomischen Entwicklungen einige plausible Überlegungen anstellen, mit denen man beurteilen kann, ob Aktien auf dem derzeitigen Niveau attraktiv sind.

Hierzu wollen wir uns im Folgenden mit den Gewinnerwartungen sowie mit einigen Bewertungskennzahlen beschäftigen. Schließlich weisen die Gewinne einen sehr engen Gleichlauf mit der wirtschaftlichen Entwicklung auf. Und selbst wenn man derzeit noch darüber rätselt, wie scharf die Rezession ausfallen wird, gibt es einige verlässliche Indikatoren, die hierüber Auskunft geben. So zeigt beispielsweise der von der New Yorker Fed entwickelte wöchentliche Wirtschaftsindikator an, dass das US-BIP derzeit um etwa 10 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres liegt.

Zwar hört man häufig das Argument, dass diese Rezession einen anderen Charakter habe, weil sie quasi staatlich verordnet sei, doch fragen wir uns, ob sich das zukünftige wirtschaftliche Geschehen deswegen tatsächlich substanziell von anderen Rezessionen unterscheiden wird. Wir glauben dies nicht. So wird auch die deutsche Wirtschaft dieses Jahr eine heftige Rezession erleben; wir rechnen mit einem Rückgang der realen Wirtschaftsleistung von gut 7 Prozent. Nachdem die Unternehmensanalysten die Gewinnerwartungen für die Dax-Unternehmen zunächst nur zögerlich nach unten angepasst haben, ist zuletzt das Skalpell durch die Axt ersetzt worden.

Mit anderen Worten: die Prognosen sind deutlich reduziert worden – zumindest die für das Jahr 2020. Mitte Februar wurde für dieses Jahr noch ein Gewinn je Aktien von 930 Indexpunkten erwartet, mittlerweile sind es nur noch 698 Indexpunkte. Im selben Zeitraum sank die Prognose der 2021er Gewinne von 1050 auf 914 Punkte (Quelle: Factset).

So weit, so gut. Die vorgenommenen Revisionen dürften aber vermutlich bei Weitem noch nicht ausreichen. Denn für 2020 wird ein Gewinnrückgang von 16 Prozent unterstellt, dem im kommenden Jahr ein Anstieg um gut 30 Prozent folgen soll. Während die meisten Ökonomen einen “u”- oder “w”-förmigen Wirtschaftsverlauf erwarten, gehen die Unternehmensanalysten immer noch von einem “v” aus. Auf den wahrscheinlich deutlich unterschätzten Rückgang in diesem Jahr sollen 2021 neue Rekordgewinne winken. Das halten wir für unrealistisch, da derzeit noch gar nicht absehbar ist, ab wann sich das wirtschaftliche Leben wieder normalisiert.

Stattdessen würden wir uns eher an den Gewinneinbrüchen in Rezessionsjahren wie 1993, 2001 und 2008 orientieren. Damals sind die Unternehmensgewinne um 40 bis 60 Prozent eingebrochen. Ein Ertragsrückgang um 40 Prozent würde bedeuten, dass die Dax-Gewinne in diesem Jahr bei rund 500 Indexpunkten liegen. Dann müsste es 2021 zu einem Gewinnzuwachs von gut 80 Prozent kommen, damit die derzeitige Konsenseinschätzung zutrifft. Legen die Gewinne im nächsten Jahr dagegen nur um 40 oder 60 Prozent zu, läge der Gewinn je Aktie nur bei 700 oder 800 Indexpunkten.

Genau hier zeigt sich schon das nächste Problem: Nicht nur, dass sich Aktienkurse normalerweise schwer tun, gegen fallende Gewinnerwartungen anzukämpfen. Noch schwieriger wird es, wenn gleichzeitig die Bewertungen zu hoch sind. So weist der Dax auf Basis der in zwölf Monaten erwarteten Unternehmensgewinne derzeit ein KGV von 13,6 auf. Damit ist er fast genauso teuer wie vor dem Beginn der Corona-Krise, nur dass die Unsicherheiten heute wesentlich größer sind und man zudem davon ausgehen muss, dass die Gewinnprognosen, auf denen diese Kennzahl beruht, deutlich zu optimistisch sind. Beruhend auf unseren oben geschilderten Szenarien liegt das “wahre” Dax-KGV wohl eher zwischen 18 und 19.

Wir haben drei Bewertungskennzahlen (KGV, Preis-Buchwert und die Dividendenrendite) für den Dax und seine heutigen Indexmitglieder zu verschiedenen Zeitpunkten ausgewertet, um zu sehen, wie sich die aktuelle Situation und die von Mitte März, als der Index bei 8400 Punkten stand, mit den Dax-Tiefständen in den Jahren 2003 und 2009 vergleicht. Dabei kommt man zu dem Ergebnis, dass sowohl das KGV als auch der Preis zum Buchwert derzeit 25 bis 45 Prozent über den damals erreichten Tiefständen liegen. Von daher halten wir deutsche Aktien im Moment für zu teuer, um schon jetzt langfristige Investments zu tätigen.

Auch wenn uns bewusst ist, dass man bei Aktienkäufen wohl nie den absoluten Tiefstkurs erzielen wird, würden wir solange abwarten, bis die Gewinnerwartungen für die kommenden zwölf Monate ihren Tiefpunkt erreicht haben. Diese waren sowohl 2003 als auch 2009 ein zuverlässiger Indikator für das Erreichen eines nachhaltigen Wendepunktes am Aktienmarkt. Ihren letzten Hochpunkt hatten die rollierenden Gewinnerwartungen übrigens schon im Sommer 2018 bei rund 1000 Indexpunkten. Bis Anfang März 2020 zeigten sie dann eine Seitwärtsentwicklung, bevor sie danach in den freien Fall übergegangen sind. Solange dieser nicht gestoppt ist, gehen wir davon aus, dass der Dax noch keinen nachhaltigen Boden gefunden hat und ein erneutes Abrutschen auf 8000 Punkte oder weniger möglich ist.

Mehr Aufschluss über die tatsächliche Entwicklung der Unternehmensgewinne erhofft man sich von der US-Berichtssaison für das erste Quartal 2020. Nachdem bereits eine Reihe von Unternehmen berichtet hat, scheint (fast) alles wie immer zu sein: Beim S&P 500 haben 62 Prozent der gut 100 Unternehmen die Gewinnerwartungen und 57 Prozent die Umsatzprognosen übertroffen. Beim Dow (bislang haben zehn Firmen berichtet) sehen die Zahlen mit 70 und 60 Prozent sogar etwas besser aus, und die Nasdaq toppt das Ganze mit positiven Überraschungsquotienten von jeweils 78 Prozent (bei 18 Unternehmen, die bislang Zahlen vorgelegt haben).

Doch auf den zweiten Blick ist dann doch (fast) alles anders als sonst. Denn angesichts der Tatsache, dass die Analysten ihre Schätzungen für die US-Unternehmen zuletzt ebenfalls deutlich nach unten korrigiert haben, ist das Gesamtbild trotz positiver Überraschungen eher als schwach zu bewerten. Im ersten Quartal sollen die Gewinne jetzt um 14 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen (zu Jahresbeginn: plus 5 Prozent), für Q2 wird mit einem Minus von 30 Prozent gerechnet (zu Jahresbeginn: plus 7 Prozent), gefolgt von minus 15 Prozent in Q3 (zu Jahresbeginn: plus 10 Prozent) und minus 6 Prozent im vierten Quartal 2020 (zu Jahresbeginn: plus 14 Prozent).

Wie beim Dax gilt auch für den S&P 500, dass nach einem eher moderaten Gewinnrückgang von 14 Prozent in diesem Jahr schon 2021 die Erträge um fast 23 Prozent ansteigen sollen, sodass sie einen neuen Rekord erreichen. Doch wie für den Dax halten wir dies für zu optimistisch, weil wir davon ausgehen, dass die Analysten das wahre Ausmaß des Gewinnrückgangs in diesem Jahr unterschätzen, sodass die Basis für den erwarteten Anstieg im nächsten Jahr um einiges tiefer liegen wird.

Hinzu kommt – ebenfalls in Analogie zum Dax -, dass die Bewertungskennzahlen trotz wahrscheinlich zu optimistischer Annahmen sehr ambitioniert sind. So beträgt das KGV auf Basis der in zwölf Monaten erwarteten Gewinne 18,6, und der Preis-Buchwert liegt bei 2,9. Im März 2009 lag das KGV dagegen bei 10,0 und der Preis-Buchwert bei 1,4. 2003 verzeichneten die beiden Kennzahlen Werte von 14,7 und 2,4. Somit kommen wir wie beim Dax zu der Schlussfolgerung, dass die Abwärtsrisiken auch am US-Aktienmarkt keinesfalls gebannt sind und ein erneuter – auch stärkerer Rückschlag – nicht ausgeschlossen werden kann.

Der Börsenkurs der Woche – vom Profi

Kurse, Indexstände, Aufs und Abs – an der Börse passiert täglich Neues, Besonderes und Überraschendes. An dieser Stelle präsentiert und erklärt jeden Montag ein Finanzmarktprofi sein Börsen-Highlight der Woche.

Häufig ist dabei als Gegenargument zu hören, dass der erlebte Crash mit einem Rückgang beim Dow Jones 30 von mehr als 29.500 auf fast 18.200 Punkte von Ausmaß her so gewaltig gewesen sei, dass dies eine Übertreibung auf dem Weg nach unten gewesen sein muss. Im Hinblick auf die absolute Kursveränderung von mehr als 10.000 Punkten ist dieser Eindruck nachvollziehbar. Nicht jedoch, wenn man sich den prozentualen Kursrückgang anschaut. Hier lässt sich erkennen, dass die bisherige Korrektur zwar deutlich, aber keinesfalls völlig ungewöhnlich ausgefallen ist.

Während der Finanz- und Wirtschaftskrise sind die Kurse beispielsweise um mehr als 50 Prozent eingebrochen, und auch während der ersten Ölkrise zu Beginn der 1970er Jahre war ein ähnlich starker Rückgang zu verzeichnen. Das Platzen der Dot-Com-Blase hat der Dow Jones dagegen mit einem Minus von fast 40 Prozent besser überstanden als der S&P 500 oder die Nasdaq. Der stärkste historische Kursrückgang war aber während der großen Depression in den 1930er Jahren zu verzeichnen, damals verlor der Dow Jones in drei Jahren fast 90 Prozent an Wert. Aber keine Sorge: Da wir keine neue langanhaltende Weltwirtschaftskrise erwarten, halten wir ein solches Szenario für ausgeschlossen. Der Blick in die Vergangenheit hilft uns aber, die heutigen Geschehnisse besser einzuordnen.

Unser Fazit für den (ungeduldigen) Anleger lautet von daher: Abwarten und Tee trinken. Unter fundamentalen Gesichtspunkten spricht vieles dafür, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zeit noch günstigere Einstiegskurse geben wird.

https://www.manager-magazin.de/finanzen/boerse/aktien-kaufen-warum-anleger-noch-warten-koennen-a-1306605.html

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Das Sparbuch bleibt für die Deutschen Geldanlage Nummer 1

gothaer anlegerstudie 2020

Die Beliebtheit des Sparbuchs ist darauf zurückzuführen, dass es die Deutschen für besonders sicher halten.© Gothaer Anlegerstudie 2020

· Von Karen Schmidt

· 27.04.2020 um 10:50

Viele Deutsche geben zwar an, dass ihnen Nachhaltigkeit bei der Geldanlage wichtig ist. Nur 6 Prozent investieren aber derzeit tatsächlich in nachhaltige Fonds. Stattdessen steht das Sparbuch unangefochten auf Platz 1 der beliebtesten Kapitalanlagen.

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Für 47 Prozent der Frauen hierzulande müssen Geldanlagen im Einklang mit dem Klima- und Umweltschutz stehen (Männer: 41 Prozent). Jeweils 28 Prozent der deutschen Frauen und Männer ist soziale Gerechtigkeit bei Investitionen wichtig. Und eine verantwortungsvolle Unternehmensführung spielt für 22 Prozent der Damen eine wichtige Rolle, wenn sie ihr Geld anlegen (Männer: 26 Prozent).

Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Studie zum Anlageverhalten der Deutschen im Auftrag von Gothaer Asset Management. Auch wenn das Thema Nachhaltigkeit bei den befragten Frauen hoch im Kurs steht, sind sie bei der Investition in nachhaltige Geldanlagen etwas zurückhaltender als Männer. Die Hälfte der weiblichen Befragten wäre bereit, zugunsten der Nachhaltigkeit auf Rendite zu verzichten, bei den Männern sind es 57 Prozent. Bereitschaft und Tun sind aber zwei verschiedene paar Schuh. Nur 6 Prozent der Deutschen investieren bisher in nachhaltige Fonds.

Wie legen die Bundesbürger vor allem ihr Geld an? Nach wie vor ist das Sparbuch mit aktuell 48 Prozent die erste Wahl. Bei den Frauen sind es sogar 50 Prozent, die diese Form der Geldanlage nutzen (2019: 49 Prozent). Auch bei den männlichen Befragten steht das Sparbuch mit 46 Prozent an erster Stelle (2019: 47 Prozent). Auf Platz 2 rangieren Immobilien mit 32 Prozent, allerdings sind Frauen hier mit 29 Prozent deutlich zurückhaltender als Männer (35 Prozent). Frauen setzten stattdessen eher auf (Kapital-)Lebensversicherungen (32 Prozent, 2019: 30 Prozent).

Sicherheit der Geldanlage steht an erster Stelle

Dass die Deutschen dem Sparbuch nach wie vor so zugetan sind, liegt an ihrem ausgeprägten Bedürfnis nach Sicherheit bei der Kapitalanlage. 55 Prozent der befragten Frauen (2019: 60 Prozent) und 48 Prozent der Männer (2019: 53 Prozent) messen der Sicherheit ihrer Geldanlage die größte Bedeutung zu. Flexibilität in der Anlage spielt jeweils für 31 Prozent der Frauen und Männer die wichtigste Rolle (2019: 29 Prozent).

Der größte Unterschied zwischen den Geschlechtern zeigt sich aber beim Thema Rendite: Während die Rendite für 15 Prozent der männlichen Befragten ein wichtiges Kriterium ist (2019: 12 Prozent), ist sie nur für 5 Prozent der befragten Frauen ausschlaggebend (2019: 6 Prozent).

Karen Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

Das Sparbuch bleibt für die Deutschen Geldanlage Nummer 1 – Pfefferminzia.de

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“Ich habe exakt null Euro Einkommen in diesem Monat”

Die Corona-Krise trifft die Selbstständigen besonders hart. Ihr Einkommen hängt von regelmäßigen Aufträgen ab. Wenn die wegfallen, bleibt vielen nur Hartz IV.

Von Elise Landschek, 27. April 2020,

Viele Freelancer dürfen in der Corona-Krise gerade nicht arbeiten. Damit haben sie auch keine Einnahmen. © Nik Shuliahin/​unsplash.com

“Ich habe exakt null Euro Einkommen in diesem Monat” – Seite 1

Karen Huber* hat seit Mitte März keine Nacht mehr durchgeschlafen. Dabei weiß sie eigentlich, wie man mit innerer Unruhe am besten umgeht: Die Wirtschaftswissenschaftlerin arbeitet in der Erwachsenenbildung in Hamburg, gibt Kurse zum Thema Achtsamkeit und Stressbewältigung, bietet psychologische Beratung und Coachings an. “Ich arbeite mit Gruppen, wir tauschen uns aus und machen Übungen gemeinsam”, sagt sie. In Corona-Zeiten, in denen Menschen eher Abstand halten sollen, sind Treffen in Gruppen allerdings nicht gefragt.

Seit dem Ausbruch des Coronavirus in Deutschland wurden alle ihre Kurse abgesagt. Huber ist selbstständig, sie stand über Nacht vor dem Nichts. Digitale Kurse könnten diese Art des Gruppenaustauschs nicht ersetzen, sagt sie, dazu sei die Arbeit viel zu persönlich. “Man liest viel über dieSelbstständigen in der Kultur, die jetzt Hilfen beantragen müssen, aber auch denen in anderen Bereichen geht es schlecht.”

Yogalehrer, Hausmeister, Grafiker, Dolmetscherinnen, Bäuerinnen oder Musiklehrerinnen – in Deutschland gibt es rund vier Millionen Selbstständige, davon sind etwa die Hälfte Solo-Selbstständige, beschäftigen also selbst keine Angestellten. Der Bund hat Hilfen in einer Gesamthöhe von 50 Milliarden Euro für Klein- und Kleinstunternehmer zur Verfügung gestellt, die nun für drei Monate beantragt werden können. Dabei bekommen Selbstständige mit bis zu fünf Angestellten einmalig 9.000 Euro, mit bis zu zehn Angestellten 15.000 Euro. Hinzu kommen Möglichkeiten zur Steuerstundung und Notkredite, zum Beispiel von der KfW-Bank. Auch die Bundesländer zahlen Soforthilfen, doch wer wie viel bekommen darf, das ist von Land zu Land unterschiedlich. Pech hat offenbar, wer schon vor der Krise verschuldet war. Denn dann ziehen die Gläubiger die Soforthilfen zur Tilgung ihrer Schulden gleich wieder ein.

Karen Huber hat in Hamburg eine Einmalzahlung von 2.500 Euro beantragt und bekommen. “Aber das Geld reicht bei mir gerade mal zwei Monate lang, das deckt nicht einmal meine laufenden Kosten”, sagt sie. Vorher hat sie sich selbst von ihrem Einkommen monatlich etwa 2.000 Euro ausgezahlt: “Damit waren keine großen Sprünge möglich, aber ich habe gut gelebt.”

Zusätzlich wollte sie die Bundeshilfen beantragen – der Antrag wurde abgewiesen. Dieses Geld bekommt nur, wer damit seine monatlichen Betriebskosten wie zum Beispiel eine Büromiete oder einen Leasingvertrag für technische Ausrüstung decken muss, jährliche Abbuchungen oder Lohnausfall sind damit ausdrücklich nicht gemeint. Ihre Steuerberaterin will deshalb Widerspruch einlegen. “Die Einmalzahlung vom Land war für drei Monate gedacht, aber was passiert danach?”

Huber sagt, sie fühle sich von der Politik allein gelassen. “Die Krise in Deutschland hat zwar alle getroffen, aber sie ist nicht für alle so existentiell wie für uns Selbstständige.” Denn für sie stehe kein Unternehmen ein und zahle die Löhne weiter, wenn vielleicht auch nur auf Kurzarbeiterbasis. “Ich empfinde da eine große Ungerechtigkeit in Deutschland.” Huber hat darüber nachgedacht, Hartz IV zu beantragen. “Ich habe mich beraten lassen, habe allerdings wahrscheinlich wegen meiner Ersparnisse, zu denen die private Altersvorsorge gerechnet wird, keinen Anspruch darauf”, sagt sie.

Genau jetzt wäre die Saison losgegangen

Martin Orgler* hat den Hartz-IV-Antrag schon abgeschickt. Auch er hat Probleme beim Ausfüllen seines Antrags gehabt und hofft nun, dass er keine Fehler gemacht habt, die eine schnelle Auszahlung des Gelds verhindern. Orgler, der seinen richtigen Namen lieber nicht nennen möchte, ist Touristenführer in Berlin. Auch er wurde im März über Nacht arbeitslos. Er lebt von ausländischen Gästen, vor allem aus den USA, denen er Tagesführungen durch das historische Berlin anbietet.

Wegen Corona liegt die Berliner Tourismusbranche komplett am Boden. Einige kleinere Reiseagenturen werden sich vielleicht von den Einnahmeausfällen nie mehr erholen. “Genau jetzt wäre die Saison losgegangen, aber in meinem Terminkalender herrscht absolute Leere”, sagt Martin Orgler. Aufgrund der strikten Reiseverbote ist kein Ende abzusehen. “Ich habe exakt null Euro Einkommen in diesem Monat und das wird voraussichtlich den ganzen Sommer so weitergehen.” Stadtführer sei eben auch kein Job, den man im Homeoffice erledigen könnte. Nebenbei schrieb Orgler Konzertkritiken für eine Berliner Tageszeitung, doch auch dieser Job ist mit den Veranstaltungsabsagen bis Oktober weggebrochen.

Manche Freelancer verkaufen jetzt Gutscheine

Dabei hatte er noch Glück, er hat 5.000 Euro Soforthilfe vom Berliner Senat ergattert, nur ein paar Tage gab es dieses Geld als Kompensation für Einkommensausfälle in Berlin, dann waren die bereitgestellten 250 Millionen Euro an Landeshilfen aufgebraucht. Doch auch bei ihm wird das Geld nicht lange reichen. Hartz IV konnte Orgler nur beantragen, weil auch hier vorübergehend andere Regeln gelten: bis zum 30. Juni 2020 werden bei den Anträgen höhere Wohnkosten als sonst akzeptiert, Orgler muss also mit Frau und Kind nicht etwa umziehen, weil seine Miete zu hoch ist. Außerdem wird das Vermögen für die Dauer von sechs Monaten nicht in voller Höhe berücksichtigt, also die für Selbstständige so wichtige Rücklage für die Altersvorsorge. Wer allerdings mehr als 60.000 Euro angespart hat, wird diese zunächst einmal aufbrauchen müssen und bekommt kein Geld vom Staat. “Wenn die Krise noch lange andauert, werde ich mir überlegen müssen, was ganz anderes zu machen”, sagt der studierte Historiker. Dabei liebe er seinen Job.

Im Netz gibt es derzeit zahlreiche Webinare und kostenlose Weiterbildungsangebote dafür. “Selbstständige könnten die frei gewordene Zeit jetzt dafür nutzen, sich neue Fähigkeiten anzueignen”, rät Angela Broer, Geschäftsführerin von HalloFreelancer, einem Start-up, das zum Karrierenetzwerk XING gehört. Ihr Unternehmen hat gerade ein neues Projekt gestartet, um Selbstständige zu unterstützen. Freelancer können Unternehmen eine Art Gutschein für zukünftig benötigte Jobs ausstellen, das heißt: gezahlt im Voraus, der Job erst dann erledigt, wenn der Bedarf wieder da ist. Voraussetzung ist, dass die beauftragende Firma sich das finanziell leisten kann und der Wille da ist, die Freien weiter zu beschäftigen. Rechtlich sei es durchaus möglich, Rechnungen schon zu bezahlen, bevor die Leistung erbracht wird, sagt Broer.

Sie sieht die Krise auch als Chance für Selbstständige: “Firmen lernen in der aktuellen Situation, dass das Arbeiten mit verteilten Teams ohne persönliche Treffen funktioniert, dass Zoom-Schalten problemlos Konferenzen ersetzen und nicht jeder ständig im Büro sein muss.” Dies könne eine gute Grundlage dafür sein, auch zukünftig mehr mit freien Mitarbeitern zu arbeiten und das wiederum entspreche den Bedürfnissen der neuen Generation nach flexiblen Arbeitszeiten und mehr Freiheit im Beruf.

Auch Karen Huber und Martin Orgler sind gerne selbstständig, wäre da nur nicht dieser Haken mit der finanziellen Unsicherheit. Denn die Krise zeigt: wenn die Aufträge wegbleiben, ob nun wegen weltweiter Pandemie-Einschränkungen oder wenn man selber länger krank werden sollte, dann sind die Selbstständigen ganz allein auf sich gestellt. Karen Huber sagt, sie sei durch ihre Existenzangst erschöpft und auch dünnhäutig geworden und finde keinen Ausgleich, weil auch Konzerte und Ausflüge mit Freunden wegfallen würden.

Martin Orgler sieht das etwas pragmatischer. “Ich bin gewohnt, mit wenig Geld und wenig Konsum auszukommen, das macht mir nicht so viel aus. Das liegt vielleicht daran, dass ich in der DDR aufgewachsen bin.” Viel schlimmer sei es für ihn, nicht arbeiten gehen zu können. “Mir fehlt mein Job. Nicht zu wissen, ob und wann ich ihn jemals wieder machen kann, das macht mich fertig.”

*Der echte Name ist der Redaktion bekannt. Die Personen möchten anonym bleiben, weil sie berufliche Nachteile fürchten.

Korrekturhinweis: In einer vorherigen Version des Textes stand, dass Karen Huber versucht, Hartz IV zu beantragen. Sie hat sich zwar diesbezüglich beraten lassen, stellt den Antrag aber nicht, da sie eine private Altersvorsorge hat, die dann angerechnet würde. Die betreffende Stelle haben wir korrigiert.

https://www.zeit.de/arbeit/2020-04/selbststaendige-coronavirus-krise-einkommen-unsicherheit-bundeshilfen/komplettansicht

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bvk-umfrage Versicherungsvermittler verzeichnen „massive Umsatzeinbußen“

Gemeinsam sind wir stark: Mit bunt bemalten Steinen an vielen Orten Deutschlands verleihen die Bürger ihrer Hoffnung nach Zusammenhalt Ausdruck. Der vierjährige Emil und sein Vater gehen hier am 18. April 2020 in Thüringen an von Kindern bemalten Steinen entlang, die die Ortschaften Azmannsdorf und Linderbach symbolisch miteinander verbinden.

© picture alliance/Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

  • Von Lorenz Klein,  27.04.2020 

Die Zeichen verdichten sich, dass die Geschäfte der Versicherungsvermittler unter der Corona-Krise massiv leiden. Bereits zwei Drittel der Vermittler beklagten Umsatzeinbußen, wie der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) auf Basis einer aktuellen Umfrage meldet. Hier kommen alle Zahlen im Detail.

„Corona-Krise schlägt auf fast alle Versicherungsmakler durch“, titelte Pfefferminzia am Montag. Grundlage bildet eine aktuelle Umfrage der Forschungsgruppe g/d/p, wonach gut neun von zehn Versicherungsmakler in Deutschland (86 Prozent) bereits jetzt die Auswirkungen der Corona-Krise zu spüren bekommen.

Wenige Stunden später hat dann auch der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) die Ergebnisse einer eigenen Vermittler-Umfrage vermeldet – andere Studie, gleiches Bild, lässt sich das Ganze grob zusammenfassen.

„Von den 1.628 Teilnehmern klagten bereits zwei Drittel über Umsatzeinbußen“, teilt der BVK mit. Weitere 25 Prozent können demnach noch nicht absehen, wie sich der Umsatz entwickeln wird. Nur elf Prozent der Teilnehmer hätten bislang keine Rückgänge hinnehmen müssen.

Die Einbußen, die laut der Umfrage von Vermittlern beklagt werden, haben es in sich: So lag der Umsatzrückgang im Durchschnitt bei fast 38 Prozent.

Aufgeschlüsselt nach Vertriebswegen sind Mehrfachvertreter mit einem Umsatzrückgang von durchschnittlich 43,3 Prozent stärker betroffen als die beiden anderen Vertriebswege Makler (38,9 Prozent) und Einfirmenvertreter (37,8 Prozent).

Zudem verzeichneten kleinere Vermittlerbetriebe tendenziell größere Umsatzrückgänge als größere Betriebe – womit sich hier ein abweichendes Ergebnis zur eingangs erwähnten Umfrage zeigt. Letztere kam zu dem Schluss, dass Maklerbüros mit vier und mehr Mitarbeitern von der Krise deutlicher betroffen seien als Ein-Mann-Betriebe. Von Storni und Vertragskündigungen sind laut BVK-Umfrage alle Sparten betroffen.

„90 Prozent der Teilnehmer verzeichnen Rückgänge in den Sparten Leben und Kranken. 47 Prozent der Teilnehmer haben Rückgänge aus den SHUR-Sparten und knapp 20 Prozent im Kfz-Bereich“, berichtet der Verband weiter. Dass Makler mit den Spartenschwerpunkten Leben und Kranken von der Krise tendenziell stärker betroffen sind, berichtete auch die Forschungsgruppe g/d/p auf Basis ihrer Umfrage mit.

87 Prozent erwarten Ergebnis unter Vorjahr

Aus Sicht des BVK ist infolgedessen auch die Antwort auf die Frage nach dem erwarteten Geschäftsergebnis für 2020 im Vergleich zum Vorjahr „nicht verwunderlich“: 87 Prozent der Teilnehmer sehen demnach ein schlechteres Ergebnis für dieses Geschäftsjahr voraus.

„Diese Daten zeigen, dass auch unser Berufsstand massiv von der Corona-Krise getroffen wurde“, sagt BVK-Präsident Michael Heinz, der die Zahlen zum Anlass nimmt, um sich bei der Bundesregierung Verhör zu verschaffen.

So habe der Verband unlängst Bundeskanzlerin Angela Merkel angeschrieben und gebeten, dass die Versicherungsvermittler ebenfalls bei den Rettungsmaßnahmen der Wirtschaft berücksichtigt werden sollen (wir berichteten). Zumal der Berufszweig „für die Absicherung der Bevölkerung einen wichtigen sozialpolitischen Auftrag zu erfüllen“ habe, wie Heinz betonte.

Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit Oktober 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit Oktober 2016 an.

https://www.pfefferminzia.de/bvk-umfrage-versicherungsvermittler-verzeichnen-massive-umsatzeinbussen/

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DAX-Ausblick: Ein fatales Zeichen

von start-trading.de | 26 Apr, 2020 | DAX

Die Anleger an den Börsen wollen wieder an das Gute glauben. Ihre Hoffnung beruht dabei auf der Art und Weise wie Zentralbanken und Staaten auf die Coronakrise reagieren. Sie versprechen den Bürgern und auch den Investoren vor allem viel Geld. Sie wollen keine Not aufkommen lassen, Pleiten nicht zulassen und Wertpapiere erwerben. Das ermutigt Investoren schon jetzt Aktien zu kaufen, doch solch ein Zeichen ist riskant.

Da ist er wieder, der Glaube der Finanzmarktteilnehmer an die große Macht der Zentralbanken. Sie sollen die Wirtschaft vor großem Schaden retten, sollen mit Maßnahmen in Billionenhöhe wieder Geld für die Unternehmen bereitstellen. Diese Hoffnung lässt die Anleger Aktien kaufen. Zu sehr sind sie trainiert, dass billiges Geld zu steigenden Kursen an den Börsen führen wird. So kennen sie es aus dem letzten Jahrzehnt. Doch bei der letzten Finanzkrise war vor allem die Finanzwirtschaft betroffen, diesmal ist es die Realwirtschaft und das schafft Probleme.

DAX, Tageschart, Stand 10.336 Punkte

Die Zukunft lässt sich folgendermaßen skizzieren: In den USA wurden ca. 20 Mio. Arbeitnehmer in nur vier Wochen arbeitslos. Die USA gelten als Konsumnation. Ihre Wirtschaftsleistung besteht vor allem im Ausgeben von Geld, was ja jetzt deutlich weniger wird, wenn die Arbeitsplätze verloren gehen. Wer Rücklagen hat, der gibt sein Erspartes nicht mehr hemmungslos aus. Shoppen die Amerikaner nicht, und auch in Europa zeigt sich eine Zurückhaltung, dann muss in Asien (besonders in China) nicht mehr so viel produziert werden. Damit geht die Wirtschaftsleistung global zurück und in diesem Umfeld werden es die Börsen schwer haben zu steigen.

Der DAX klebt die letzten Tage an der Marke bei 10.400 Punkten. Anleger sind unentschlossen, ob sie eine baldige Normalisierung der Wirtschaft antizipieren sollen, oder ob sie lieber nicht mehr investiert sein sollten, wenn es an den Börsen wieder abwärtsgeht. Der Index hat trotz verschiedener Versuche, sich nach Norden zu bewegen, keinen nennenswerten Erfolg vorzuweisen. Dieser Kursverlauf aus der letzten Woche mahnt zur Vorsicht.

Der Index ist im Bereich bei 10.800 Punkten gescheitert (grüne Linie). Daraufhin kommt es zwar immer wieder zu kurzzeitigen Anstiegsversuchen, die jedoch wieder abverkauft werden. Besonders der Verlauf der lila Linie in der Bildmitte zeigt deutlich, dass der DAX im Tageschart immer tiefere Hochs markiert. Anders ausgedrückt, die Kraft der Käufer nimmt ab. Für die neue Woche ist der Preisbereich bei ca. 10.520 Punkten als hemmend zu werten. Ein Ausbruch über die angesprochene lila Linie würde zu steigenden Notierungen mit dem Ziel bei 10.800 Punkten führen.

Short SIgnal ID 2624

Weiterhin offen ist ein Rücklauf des Index an die Marke bei 10.100 Punkten. Dieser wird dann zeigen, ob die Anleger auch unter Verkaufsdruck an ihren Wertpapieren festhalten werden. Fällt der DAX unter die Marke bei 10.100 Punkten, dann nimmt eine neue Abwärtsbewegung wieder Formen an und die Fallgeschwindigkeit erhöht sich. Dann sinkt der DAX bis in den Preisbereich bei 9.500 Punkten.

Im Moment geben die Staaten und die Zentralbanken den Märkten ein fatales Signal. Sie vermitteln das Gefühl, dass ein Scheitern von Unternehmen unmöglich ist und dass die Politik bereitsteht, in jeder Form zu helfen. Doch Geld lässt sich nur so lange hemmungslos ausgeben, solange die Gläubiger nochVertrauen in die Währung haben (mehr erfahren). Dieses Vertrauen verspielen die Verantwortlichen gerade.

Im Verlauf der Woche veröffentlichen wir laufend DAX-Einschätzungen. Lassen Sie sich informieren. Nutzen Sie unseren Newsletter (hier eintragen).

https://www.start-trading.de/2020/04/26/dax-ausblick-ein-fatales-zeichen/

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Finanzen & Absicherung ulfbrackmann

Stellen Sie heute Ihre Fragen rund ums Geld – im Chat oder telefonisch!

Stand: 26.04.2020

Sparen ist durch die Corona-Krise nicht einfacher geworden. Doch die Experten bei der Leseraktion wissen guten Rat.

Quelle: Getty Images/fStop

Die Corona-Krise stellt oftmals auch die persönlichen Finanzen auf den Kopf. Heute von 10 bis 12.30 Uhr stehen deshalb zwölf Fachleute Rede und Antwort zu allen finanziellen Belangen. Machen Sie mit – telefonisch oder online.

Es schien, als müssten die Aktienkurse ewig steigen. 11.000 Punkte, 12.000 Punkte, 13.000 Punkte – der Deutsche Aktien-Index bildete lange die Not der Anleger ab, denen die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) praktisch keine Investment-Optionen mehr ließ, außer eben Dividendenpapiere.

Und dann kam er doch, der „Schwarze Schwan“, das externe Ereignis, mit dem niemand gerechnet hatte. Das neuartige Coronavirus wurde von den Märkten in seiner Gefahr für Menschen und Wirtschaft spät, aber heftig erkannt. Der Dax fiel abrupt unter 9000 Punkte.

Nun stellt sich die Frage, wie es wohl künftig weitergeht. Die Antwort darauf ist auch für Privatanleger von großer Bedeutung. Selbst wer es schaffte, am Tiefpunkt Ende März Aktien günstig einzusammeln, ist keineswegs aus dem Schneider. Auch in der Finanzkrise gab es nach dem Schock durch die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers eine Markterholung, ehe die Aktienkurse ein halbes Jahr später neue Tiefstände ausloteten.

Es geht nicht nur um das Thema Börse

WELT lässt die Leser mit Fragen zum Thema private Finanzen nicht allein. Wie jedes Jahr bietet sie einen Finanzchat an, bei dem sich Interessierte Expertenrat für individuelle Anliegen holen können. Dafür hat der Bundesverband deutscher Banken Fachleute von Mitgliedsbanken ausgewählt, die an diesem Sonntag von 10 bis 12.30 Uhr Rede und Antwort stehen. Sie sind erreichbar per Telefon oder über den Onlinechat. Aufgrund der durch die Krise erschwerten Bedingungen werden alle Experten dezentral aus dem Mobile Office arbeiten.

Es geht bei der Aktion selbstverständlich nicht allein um das Thema Börse. Auch für alle anderen Bereiche sind die Fachleute gerüstet, denn so wie Corona das Leben jedes Einzelnen umkrempelt, so sind auch fast alle Facetten der persönlichen Finanzen von der Krise tangiert.

Wie wird sich die Pandemie auf die Lage an den Immobilienmärkten auswirken? Wird es durch massive Jobverluste zu Notverkäufen kommen, die den Markt unter Druck setzen – damit aber vielleicht auch unverhoffte Kaufchancen eröffnen? Wie gehen Banken mit Hypothekenkrediten um, die Darlehensnehmer wegen finanzieller Nöte vorübergehend nicht bedienen können?

Welchen Einfluss werden die Corona-Rettungspakete auf deutscher und europäischer Ebene auf die Geldwertstabilität haben? Droht zuerst Deflation und dann eine möglicherweise unkontrollierte Inflation? Ist Gold in diesen Zeiten ein Rettungsanker? Und bekomme ich überhaupt noch physisches Gold?

Bereiten Sie Ihre Fragen gut vor und wählen Sie den für Sie passenden Weg zur Kontaktaufnahme. Falls Sie telefonisch nicht sofort durchkommen: Beim zweiten Versuch oder online klappt es bestimmt.

Die Experten am Telefon und ihre Rufnummern:

Elimar von Festenberg-Pakisch, Geld- und Vermögensanlage: 01802-468801

Enrico Eberlein, Geld- und Vermögensanlage: 01802-468802

René Grützmacher, Geld- und Vermögensanlage: 01802-468803

Torsten Scholze, Geld- und Vermögensanlage: 01802-468804

Thomas Boche, Geld- und Vermögensanlage: 01802-468805

Andreas Köngeter, Altersvorsorge und Baufinanzierung: 01802-468806

Malte Weiner, Baufinanzierung: 01802-468807

https://www.welt.de/finanzen/article207484257/Geldanlage-Fragen-Sie-die-Experten-um-Rat.html

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Finanzen & Absicherung Finanzen & Förderung ueberfrei ulfbrackmann

Chef der Privatkundensparte der Deutschen Bank: „Der Absturz an den Märkten war ein Schock“

Die Pandemie trifft auch das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank. Aber noch sieht sich Manfred Knof im Plan, was Sparziele und Umbau angeht.

Manfred Knof im Interview | 26.04.2020 | von Yasmin Osman und Michael Maisch

Frankfurt Manfred Knof ist ein Manager, der den Vorwärtsgang liebt. Im Vertrieb habe seine Sparte einen „sehr guten Start ins Jahr hingelegt“, sagt der Chef der deutschen Privatkundensparte der Deutschen Bank im Gespräch mit dem Handelsblatt.

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In den ersten beiden Monaten dieses Jahres habe etwa der Ertrag im Wertpapiergeschäft „deutlich über dem Vorjahreswert“ gelegen. Und auch in der Baufinanzierung laufe es „bisher sehr gut“. „Im Neugeschäft kann ich kaum Bremsspuren erkennen“, sagt der Vollblutvertriebler.

Doch ganz spurlos zieht die Corona-Pandemie auch am Privatkundengeschäft der Deutschen Bank nicht vorüber. Der Crash an den Märkten habe die Privatkunden tief verunsichert, räumt der langjährige Allianz-Manager ein.

Und auch bei der Deutschen Bank gibt es Kunden, die um Stundung ihrer Kreditraten bitten. „Uns haben in den ersten zwei Wochen nach Inkrafttreten des Gesetzes fast 50.000 Kunden um Stundung ihrer Zahlungsverpflichtungen aus Darlehen gebeten, dabei ging es in gut der Hälfte der Fälle um Baufinanzierungen, die andere Hälfte waren Konsumentenkredite“, berichtet Knof. Die meisten Anträge habe die Bank bereits abgearbeitet und bewilligt.

Die Bank hat darauf reagiert: „Wir haben die Standards für Ratenkredite und Baufinanzierungen leicht angepasst“, berichtet Knof. „Uns ist wichtig, dass wir gerade jetzt für unsere Kunden da sind. Gleichwohl müssen wir der aktuellen Situation Rechnung tragen und unsere Risiken angemessen steuern.“

Bei der Umsetzung seiner Sparpläne sieht Knof sich trotz Coronakrise aber noch im Plan. „Meine Aussage steht, bis Ende 2022 eine Milliarde Euro einzusparen“, sagt er. Die guten Erfahrungen mit Homeoffice eröffnen ihm vielleicht auch neue Sparpotenziale, etwa bei der Frage, wie viel Bürofläche wirklich nötig ist. „Sicherlich lassen sich Büroflächen effizienter nutzen. Wir rechnen das momentan einmal mit verschiedenen Annahmen durch“, sagt Knof.

Lesen Sie hier das gesamte Interview:

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Herr Knof, Sie sind jetzt gut ein halbes Jahr bei der Deutschen Bank. Schon nach wenigen Wochen wurde Ihnen eine gewisse Frustration mit Bezug auf den neuen Job nachgesagt. Fühlen Sie sich nun angekommen?

Ja, ich habe eine sehr spannende Aufgabe. Und gerade jetzt bin ich froh, hier an Bord sein zu dürfen. Denn es ist beeindruckend, wie professionell unsere Bank die Corona-Pandemie managt. Seit der Jahrtausendwende habe ich bereits zwei schwere Wirtschafts- und Finanzkrisen erlebt, ich weiß also, wovon ich rede.

Wahrscheinlich hat die Deutsche Bank einfach mehr Krisenerfahrung als andere Unternehmen.
Wir sollten die aktuelle Situation nicht verniedlichen. Diese Krise ist für die Welt die größte Herausforderung seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Wir haben den größten Respekt und sind dankbar dafür, was die Bundesregierung und die Landesregierungen alles unternehmen, um die Wirtschaft zu unterstützen. Das Gleiche gilt für die Maßnahmen der Notenbanken. Auch die Deutsche Bank selbst hat auf die Herausforderungen sehr gut reagiert, das Krisenmanagement funktioniert exzellent. Anders als in der Finanzkrise sind die Banken dieses Mal Teil der Lösung, und als systemrelevante Institution sind wir jetzt besonders wichtig für Wirtschaft und Gesellschaft.

Der Umbau der Privatkundensparte war schon immer ein ehrgeiziges Projekt. Müssen Sie nun wegen Corona alle Pläne neu justieren?
Der Fahrplan, den wir im Sommer angelegt und im Dezember dann weiter präzisiert haben, war in der Tat ehrgeizig. Aber wir liegen derzeit voll im Plan, auch was die rechtliche Verschmelzung der Privatkundensparte mit dem Mutterkonzern Mitte Mai anbelangt. Das alles schaffen viele unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter online und von ihren Arbeitsplätzen zu Hause aus. Diese Leistung macht uns und auch mich persönlich stolz.

Gilt Ihr Optimismus auch für die Geschäftsergebnisse?
Details können wir erst am Mittwoch nennen, wenn wir unsere Quartalszahlenveröffentlichen. Ich kann Ihnen aber schon sagen, dass wir im Vertrieb einen sehr guten Start ins Jahr hingelegt haben. Beim Ertrag auf Wertpapiertransaktionen lagen wir im Januar und Februar beispielsweise deutlich über dem Vorjahreswert. Die Frage ist natürlich, wie sich das Geschäft in den kommenden Wochen und Monaten angesichts der Auswirkungen durch das Coronavirus weiterentwickelt.

Das heißt aber auch, dass die Aktivitäten im März bereits spürbar nachgelassen haben.
Der Absturz an den Märkten war ein Schock, das hat gerade die Privatanleger tief verunsichert. Unsere Wertpapierberater hatten viele intensive Gespräche mit den Kunden, haben die Situation erklärt und die Entwicklungen an den Märkten eingeordnet.

Wie sieht es bei der Baufinanzierung aus? Hat Corona dort dem Boom den Boden entzogen?
Bei uns jedenfalls nicht. Das Baufinanzierungsgeschäft läuft bisher sehr gut. Auch im Neugeschäft kann ich kaum Bremsspuren erkennen, weder bei der Deutschen Bank noch bei der Postbank. Aber auch hier muss man sehen, wie sich das Geschäft in der kommenden Zeit angesichts der Folgen durch das Coronavirus weiterentwickelt.

Verschärfen Sie angesichts der prekären wirtschaftlichen Lage nicht von sich aus Ihre Vergabestandards?
Wir haben die Standards für Ratenkredite und Baufinanzierungen leicht angepasst. Der Vorstand der Privat- und Firmenkundenbank, den ich leite, bespricht sich momentan jeden zweiten Tag und sieht sich die Risikoparameter unseres Geschäfts genau an. Uns ist wichtig, dass wir gerade jetzt für unsere Kunden da sind. Gleichwohl müssen wir der aktuellen Situation Rechnung tragen und unsere Risiken angemessen steuern.

Wie stark ist der Andrang von Kunden, die Sie um Stundungen ihrer Kreditraten bitten?
Uns haben in den ersten zwei Wochen nach Inkrafttreten des Gesetzes fast 50.000 Kunden um Stundung ihrer Zahlungsverpflichtungen aus Darlehen gebeten, dabei ging es in gut der Hälfte der Fälle um Baufinanzierungen, die andere Hälfte waren Konsumentenkredite. Die meisten Anträge haben wir bereits abgearbeitet und bewilligt.

Könnten sich die Stundungen zu einem größeren Geschäftsrisiko für die Bank entwickeln?
Wir haben kein Problem, diese Zahlungen bis zu drei Monate auszusetzen. Und die Antragszahlen, um die es geht, sind bisher beherrschbar. Natürlich gilt auch hier: Wir beobachten die weitere Entwicklung aufmerksam, überwachen die Bonitäten und werden unsere Risiken aktiv managen.

Sie dürfen keine Säumniszahlungen für die gestundeten Beträge erheben. Es gibt Banken, die sich von der Politik schlecht behandelt fühlen. Sie nicht?
Nein, wir fühlen uns nicht schlecht behandelt von der Bundesregierung, im Gegenteil. Wir haben und hatten die Gelegenheit, uns einzubringen, und wir haben den Eindruck, unsere Meinung wird geschätzt. Richtig ist aber, dass es noch Gesprächsbedarf gibt, wie mit den Zinsforderungen bei Stundungen umzugehen ist. Wir sind aber zuversichtlich, dass eine für alle Seiten vernünftige und tragbare Lösung gefunden wird.

Die Krise wird in der gesamten Finanzbranche Spuren hinterlassen. Was ist, wenn die Kunden künftig stärker sparen – anstatt zum Beispiel Immobilien oder Autos zu kaufen?
Natürlich gibt es Veränderungen über die Zeit. Für uns ist aber entscheidend, dass wir mit unseren Kunden im Gespräch sind, und da ist der Bedarf im Moment besonders hoch. Wer sparen will, investiert dann vielleicht in ein Vorsorgeprodukt. Oder er will für seinen Anlagemix noch einen Immobilienfonds. Es gibt für jede Situation die richtigen Anlageformen, auch und gerade in Krisenzeiten. Und ich bin sicher, dass wir sie unseren Kunden bieten können.

Im Moment finden die Gespräche mit den Kunden ja häufiger telefonisch oder per Video statt. Ist das ein Testlauf für die Frage, wie viele Filialen wirklich nötig sind?
Zunächst einmal: Die Filialen der Postbank waren die ganze Zeit geöffnet. Das Gleiche gilt für fast 300 der 500 Zweigstellen der Deutschen Bank. Unser Online- und Mobile Banking und unsere Telefon- und Videoberatung funktionieren gut. Aber viele der Kunden, die jetzt per Video oder Telefon kommunizieren, werden nach der Krise auch wieder in die Filiale kommen. Es kommt darauf an, analog und digital noch viel stärker als bisher zu verbinden, das lehrt uns diese Krise. Insofern bleibt es bei dem, was ich auf der Investorenkonferenz Ende 2019 gesagt habe: Wir arrondieren nur das Filialnetz ständig, wie wir es immer getan haben.

Sie haben auch angekündigt, gemeinsame Filialen der Marken Postbank und Deutsche Bank auszuprobieren. Was ist aus den Versuchen geworden?
Es gibt gemeinsame Auftritte beider Marken in Bochum und Kleinmachnow. Dort sammeln wir erste Erfahrungen, wie Kunden reagieren, wenn sich Postbank und Deutsche Bank eine Selbstbedienungszone teilen. Die ersten Rückmeldungen sind positiv. Diese Pilotprojekte wollen wir auf 15 bis 20 Standorte hochfahren, bevor wir Entscheidungen treffen. An dieser Stelle bremst uns Corona leider. Ohne die Pandemie hätten wir diese Versuchsphase vermutlich schneller starten können.

Bremst Corona Sie auch bei der Umsetzung Ihrer Sparpläne aus?
Davon gehe ich nicht aus. Meine Aussage steht, bis Ende 2022 eine Milliarde Euro einzusparen. Etwa 400 Millionen Euro sollen im Bereich Betrieb, also das Backoffice, und IT wegfallen, weitere 200 Millionen Euro durch die Anpassung der Zentral- und Infrastrukturfunktionen im Zuge der vollständigen Integration der Privatkundensparte, die wir jetzt im Mai vollziehen. Außerdem sparen wir 200 Millionen Euro durch Veränderungen im Vertrieb sowie den Ausbau der Onlineangebote. Und wir werden weniger investieren müssen als derzeit.

Wo genau fallen die 200 Millionen Euro an Investitionsgeldern weg?
Sobald wir die IT-Systeme und die Operations-Einheiten von Deutscher Bank und Postbank zusammengelegt haben, werden sich unsere Investitionen in unsere Plattform normalisieren. Wir gehen dann vom Umbaumodus wieder zum Normalbetrieb über. Das bringt uns Einsparungen von rund 200 Millionen Euro.

Sie mussten im März einige Filialen wegen Corona-Infektionen unter den Mitarbeitern schließen. Wie schützen Sie Kunden und Mitarbeiter, damit sich das nicht wiederholt?
Wie gesagt, unser Krisenmanagement läuft sehr gut. In unseren Filialen haben wir Plexiglasscheiben, sogenannte Spuckschutzwände, aufgestellt. Es gibt ausreichend Masken und Desinfektionsmittel. Wir haben die Mindestabstände gekennzeichnet, und es gelten strenge Hygienevorschriften. Besonders beeindruckt uns übrigens, wie gut die Arbeit für viele Kolleginnen und Kollegen zu Hause funktioniert. Fast 50 Prozent unserer Mitarbeiter im Privatkundengeschäft loggen sich täglich von zu Hause aus in unsere Bank ein und beraten so ihre Kunden. In anderen Bereichen liegt die Quote zum Teil bei 80 oder 90 Prozent. In Indien sind es wegen der strikten Ausgangssperre sogar 100 Prozent.

Wenn das mit dem Homeoffice bei Ihnen so gut läuft, wollen Sie es dann nicht künftig mehr Mitarbeitern ermöglichen?
Die gesamte Wirtschaft wird sicher über andere Arbeitsmodelle reden, auch wir. Ich kann mir schon vorstellen, dass jemand, der bislang zu festen Zeiten etwa in der Vertriebssteuerung saß, später auch zu Hause arbeitet. Das würde Familien viel mehr Flexibilität geben. Was spricht dagegen, wenn Arbeiten, die nicht zeitkritisch sind, dann erledigt werden, wenn es die Situation zu Hause erlaubt? Auch einen Anstieg von Teilzeitarbeit halte ich für möglich. Die Coronakrise ist in dieser Hinsicht auch eine Chance, da sind wir uns mit den Arbeitnehmervertretern einig.

Gibt es dazu auch konkrete Gespräche?
Wir sprechen laufend mit den Arbeitnehmervertretern. In der Krise hat sich das noch intensiviert, denn es gab und gibt ja sehr viele Dinge umzuorganisieren. Und die Arbeitnehmervertretungen sind hier wichtige Partner.

Spart man mit mehr Homeoffice eventuell auch teure Bürofläche?
Sicherlich lassen sich Büroflächen effizienter nutzen. Wir rechnen das momentan einmal mit verschiedenen Annahmen durch. Wir können natürlich flexibler mit den Arbeitsplätzen umgehen, wenn mehr Menschen von zu Hause aus arbeiten. Allerdings stellen wir auch fest, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Trennung von Privatsphäre und Büro schätzen. Sobald sich die Lage normalisiert, werden die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder an ihren Arbeitsplatz im Büro zurückkehren wollen. Und auch das ist okay.

In Deutschland nutzen inzwischen rund 50 Prozent der Unternehmen Kurzarbeit. Ist das für die Deutsche Bank ein Thema? Ihr Arbeitgeberverband arbeitet an einem entsprechenden Rahmentarifvertrag.

Bei all der Arbeit, die wir vor uns haben, inklusive der Integration der Privatkundenbank in den Mutterkonzern und des Krisenmanagements für unsere Kunden, sehe ich das im Augenblick nicht. Bei mir sind in den vergangenen Wochen eher noch ein paar Arbeitsstunden und -tage dazugekommen. Und meinen Kolleginnen und Kollegen geht es da nicht anders.

Herr Knof, vielen Dank für das Interview.

https://amp2.handelsblatt.com/unternehmen/banken/manfred-knof-im-interview-chef-der-privatkundensparte-der-deutschen-bank-der-absturz-an-den-maerkten-war-ein-schock/25771114.html

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Finanzen & Absicherung ulfbrackmann

Rekordabflüsse bei Fonds aufgrund der Corona-Krise

  • Von Manila Klafack
  • 24.04.2020

Der März 2020 schreibt mit seinen Negativrekorden in der Fondsbranche Geschichte. Wurden die Finanzmärkte bereits während der Finanzkrise, besonders im Jahr 2008, stark gebeutelt, stellten die Abflüsse und Verluste im Zuge der Corona-Krise diese weit in den Schatten, zeigt eine Analyse von Morningstar.

246 Milliarden Euro haben Anleger allein im März 2020 von Langfristfonds abgezogen. Damit wurde der bisher größte Mittelabfluss während der Finanzkrise im Oktober 2008 um mehr als das Doppelte übertroffen. Damals waren es 108 Milliarden Euro, die Anleger aus europäisch domizilierten Fonds abgezogen hatten. Zu diesem Ergebnis kommt das Analyseunternehmen Morningstar. Bis auf Rohstoff-Fonds waren danach alle großen Fondskategorien im März 2020 von Negativrekorden betroffen.

Bei Rentenfonds flossen 140 Milliarden Euro ab, ein noch nie dagewesener Betrag. Denn auch hier lag der bisherige Monatsrekord bei minus 54 Milliarden Euro im Oktober 2008. Aktienfonds verloren im Zuge der Corona-Krise 56 Milliarden Euro; der bisherige Tiefstwert bei dieser Kategorie lag im Januar 2008 bei 46 Milliarden Euro. Die Hauptlast des Ausstiegs trugen globale Standardwertefonds und US-Standardwertefonds sowie globale Emerging-Markets-Aktienfonds.

Weitere 26 Milliarden Euro gingen den Mischfonds verloren. Geldmarktfonds büßten 41 Milliarden Euro ein. Das deutet laut Morningstar darauf hin, dass Anleger in großem Stil Bargeld auf ihren Bankkonten horteten. Rohstofffonds waren die einzige große Kategorie, die sich dank der hohen Nachfrage nach Goldprodukten gegen den Trend entwickelte und Zuflüsse verbuchte.

Vermögensverlust von Langfristfonds von einer Billion Euro

Noch stärker als die Rekord-Abflüsse sei die europäische Fondsindustrie jedoch von den fallenden Märkten getroffen. Zusätzlich zu den Abflüssen bei Langfristfonds in Höhe von 246 Milliarden Euro entstand ein Vermögensverlust von rund einer Billion Euro. Zum 31. März 2020 seien die Vermögenswerte in Langfristfonds auf 8,2 Billionen Euro gefallen, verglichen mit 9,5 Billionen Euro Ende Februar.

Auch Indexfonds blieben nicht verschont. Langfristige Indexfonds verloren im März 28 Milliarden Euro, was bei weitem das höchste Niveau an Rückgaben in einer Monatsperiode war. Passive Aktienfonds erlitten Abflüsse in Höhe von 11,3 Milliarden Euro, und festverzinsliche Indexfonds gaben sogar 18,2 Milliarden Euro ab. Rohstoff-Indexprodukte sahen dagegen Zuflüsse in Höhe von 2,9 Milliarden Euro, was vor allem börsengehandelten Goldprodukten zugutekam.

Manila Klafack

Manila Klafack ist Redakteurin bei Pfefferminzia. Nach ihrer Ausbildung zur Redakteurin verantwortete sie zuvor in verschiedenen mittelständischen Unternehmen den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.

https://www.pfefferminzia.de/morningstar-analyse-rekordabfluesse-bei-fonds-aufgrund-der-corona-krise/

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Finanzen & Absicherung ulfbrackmann

Kurzarbeitergeld-Rechner : Wie viel bleibt vom Gehalt?

24. April 2020,

Viele Betriebe in Deutschland setzen in der Corona-Krise auf Kurzarbeit. Für die betroffenen Arbeitnehmer bedeutet das nicht nur weniger Arbeit, sondern auch weniger Gehalt.

Bereits während der Weltwirtschaftskrise 2008 hat sie sich bewährt, nun, zwölf Jahre später, erlebt die Kurzarbeit wegen der Corona-Krise eine Renaissance. Durch die reduzierte Arbeitszeit und damit auch geringeren Kosten für Unternehmen, sollen Arbeitsplätze langfristig erhalten bleiben. Betriebe, die Kurzarbeit einführen wollen, müssen bei der lokalen Arbeitsagentur einen Antrag stellen und sich – falls vorhanden – zwingend die Zustimmung des Betriebsrates einholen.

Nachdem die Corona-Krise auch Branchen betrifft, die bislang als krisensicher galten, sind viele Arbeitnehmer zum ersten Mal von der Kurzarbeitszeit-Regelung betroffen und fragen sich, wie viel Geld ihnen dann eigentlich noch bleibt. Die wichtigsten Antworten zum Kurzarbeitergeld und dem Rechner im Überblick.

Wie berechnet sich das Kurzarbeitergeld?

Die Arbeitsstunden von Angestellten werden prozentual heruntergesetzt, um wie viel teilt der Arbeitgeber mit. Beispiel: Wer zuvor 40 Wochenstunden gearbeitet hat und nun auf 60 Prozent zurückgestuft wird, arbeitet während der Kurzarbeit nur noch 24 Stunden in der Woche.Die Kürzung der Arbeitszeit hat einen direkten Einfluss auf das Brutto-Gehalt des Arbeitnehmers. Ist die Arbeitszeit also um 60 Prozent reduziert, dann muss der Arbeitgeber auch nur noch 60 Prozent des Brutto-Lohns auszahlen. Dem Angestellten entgehen durch die Kurzarbeit in dem Beispiel 40 Prozent seines Gehalts.

Damit Angestellte aber weiterhin ihre laufenden Kosten bezahlen können, stockt die Bundesagentur für Arbeit den Netto-Lohnverlust zu einem gewissen Prozentsatz mit Kurzarbeitergeld auf. Unternehmen können derzeit maximal für zwölf Monate Kurzarbeit beantragen.

Welche Angaben sind für den Rechner nötig?

  • Reguläres Brutto: Tragen Sie in den Rechner ihr reguläres Bruttogehalt, auch Soll-Entgelt genannt, ein.
  • Reduziertes Brutto: Um wie viel ihr Bruttogehalt reduziert wird, teilt der Arbeitgeber mit. Handelt es sich um eine hunderprozentige Kurzarbeit, dann tragen Sie an dieser Stelle im Rechner 0 ein. Ist die Arbeitszeit um 50 Prozent gekürzt, beträgt auch das Bruttogehalt um die Hälfte weniger.
  • Lohnsteuerklassen: Welcher Lohnsteuerklasse Sie zugeordnet sind, entnehmen Sie ihrer letzten Gehaltsabrechnung.
  • Kinder: Arbeitnehmer mit Kindern bekommen 67 Prozent der Nettolohn-Differenz aufgestockt, Arbeitnehmer ohne Kinder 60 Prozent. Die große
  • Nach einer gesetzlichen Neuerung wird das Kurzarbeitergeld erhöht: Ab dem 4. Monat Kurzarbeit werden 70 bzw. 77 Prozent, ab dem 7. Monat 80 bzw. 87 Prozent des Lohnausfalls gezahlt. Die Regelung greift nur für Angestellte, bei denen mindestens 50 Prozent der Arbeitszeit wegfallen.

Kurzarbeitergeld-Rechner

Zum Rechner (externe Seite) geht es auch über diesen Link.

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Online-Rechner 2020 – mit 125 verschiedenen Rechnern

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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kurzarbeitergeld-rechner-erhoehung-1.4870378